Bujinkan Furyu Dojo e.V. - Schule für traditionelle japanische Kampfkünste

Bekanntmachung zum feierlichen Anlass des 90-jährigen Jubiläums der Gründung des Enbukan

von Jürgen 21. Januar 2026
開設九十周年の佳節を迎えるにあたってのお知らせ
An alle Schüler sowie an alle verbundenen und beteiligten Personen,
mit dem Einzug des milden Frühlings möchten wir Ihnen unsere aufrichtigen Glückwünsche zu Ihrem anhaltenden Wohlergehen aussprechen.
Nun ist es uns eine große Freude und Ehre, mitteilen zu dürfen, dass unser
Shinbu Ryū Sōgō Kobudō Enbukan im kommenden April einen bedeutenden Meilenstein erreicht und sein 90-jähriges Bestehen feiern wird.
Seit unserer Gründung im Jahr 1936 (Shōwa 11) hat sich unsere Schule dem Weg des Sōgō Kobudō – der umfassenden klassischen Kriegskunst – verschrieben und durch das vielschichtige Studium der Techniken der geistigen und körperlichen Schulung gewidmet.
Dass wir diese Tradition nun über neun Jahrzehnte hinweg ohne Unterbrechung weitertragen konnten, verdanken wir allein der Leidenschaft unserer aufeinanderfolgenden Meister, dem unermüdlichen Einsatz unserer geschätzten Schüler sowie der herzlichen Unterstützung all jener, die uns verbunden sind. Dafür sprechen wir Ihnen unseren tief empfundenen und aufrichtigen Dank aus.
Der April ist die Zeit der Erneuerung, in der alles Leben frisch und kraftvoll neu erblüht. So wie die Bäume rund um das Dōjō sich in leuchtendes Grün hüllen, sehen auch wir dieses 90-jährige Jubiläum als einen neuen Aufbruch.
Mit dem Ziel, die tiefen Prinzipien des Sōgō Kobudō an die nächste Generation weiterzugeben, nehmen wir diesen feierlichen Monat zum Anlass, unseren Geist zu erneuern und uns mit noch größerer Hingabe dem weiteren Weg der Übung und Vervollkommnung zu widmen.
Wir bitten auch in Zukunft um Ihre wohlwollende Verbundenheit und anhaltende Unterstützung für das Enbukan.
Mit ehrerbietigen Grüßen,
Shinbu-ryū Sōgō Kobudō Enbukan
Soke Machida Fudōshin

 

Sōgō Bujutsu 総合武術 – Japanische Kampfkünste für das Leben

von Jürgen
Sōgō Bujutsu bedeutet:
„Ganzheitliche / umfassende Kriegskunst“
Was heißt das in der Praxis?
Es bezeichnet traditionelle japanische Kampfsysteme, die nicht nur eine Disziplin lehren, sondern viele Kampfformen in einem System vereinen, zum Beispiel:
• Schwert (Kenjutsu / Iaijutsu)
• Stock und Stab (Bōjutsu, Jōjutsu)
• Waffelloser Kampf (Jūjutsu)
• Speer (Sōjutsu)
• Taktik, Strategie und Bewegung (Heihō)
• Geistige mentale Bildung (Seishin Teki Kyōyō)
• usw.
Diese Systeme stammen aus der Samurai-Zeit und wurden für den realen Kampf auf dem Schlachtfeld entwickelt. Ziel war, einen Kämpfer in allen Kampfdistanzen und Situationen auszubilden, bewaffnet und unbewaffnet.
Somit ist das Sōgō Bujutsu ein ganzheitliches traditionelles japanisches Kampfsystem, das mehrere Waffen- und Kampfarten in einer Schule vereint.
Doch die Krieger wussten um ihre Stärke, das Kämpfen wurde vermieden und es entwickelten sich Tugenden und Werte wie:
真の武士は戦いを避ける
Shin no bushi wa tatakai o sakeru
„Der wahre Krieger vermeidet den Kampf.“
強さとは、戦わずして守ること
Tsuyosa to wa, tatakawazu shite mamoru koto
„Wahre Stärke bedeutet, ohne Kampf zu schützen.“
Die Vergangenheit lehrt uns vieles und so möchten wir sie einladen, ein Teil unserer Dojo – Gemeinschaft zu werden.

Gedanken zu Uke Nagashi 受け流し

von Jürgen 16. Januar 2026
Steht für empfangen und fließen lassen, oder aufnehmen und umlenken. In den traditionellen japanische Kampfkünsten umschreibt dieser Begriff nicht unbedingt eine spezielle Technik, sondern ein Verteidigungsprinzip.
In der sprachlichen Aufschlüsselung, kann man die Bedeutung einen Angriff annehmen und weiterleiten, statt ihn hart zu blocken, wiederfinden.
Uke 受け steht für empfangen, aufnehmen, annehmen
Nagashi 流し für fließen lassen, wegströmen lassen
Das technische Prinzip umschreibt die Theorie wie folgt:
„Eine weiche, fließende Abwehrbewegung, bei der der gegnerische Schnitt aus der Angriffsmitte zu allen Seiten gelenkt wird, während man sich selbst in eine günstige Position bring, um für den Gegenangriff, oder das was der Moment bringt, bereit zu sein. Dabei sind Winkel, Bewegung und Timing zur Kontrolle des gegnerischen Schwerts unerlässlich.“
Die wohl bekannteste Arbeitsweise (Waza) in der Schwertkunst ist hierbei einen Angriff von oben umzulenken. Dabei wird die Klinge schräg über dem Kopf und Arme angestellt,
so dass der gegnerische Schnitt seitlich abgleiten kann. Oft gefolgt von einem Schritt aus der Angriffslinie heraus, als sofortiger Konter. Daraus generiert sich also eine Abwehr und ein Angriff in einer Bewegung.
Doch ist hierbei auch ein philosophischer Aspekt (Shinpō 心法) nicht zu vernachlässigen. Uke Nagashi verkörpert ein zentrales Prinzip im Bujutsu. Es bedeutet einen Nichtwiderstand und ein an sich vorbeiströmen lassen eines Einflusses, einer Einwirkung. Im Zusammenspiel der Waza und der geistigen Einstellung, ergibt sich eine Effizienz, anstelle einer Kraft gegen Kraft Anwendung. Mit einer Kontrolle des geführten Moments, wird eine direkte Konfrontation umgangen / umgelenkt. Sieg entsteht durch Positionieren und nicht durch reine Stärke. Das eigene Zentrum bleibt geschlossen und die gegnerische Mitte öffnet sich.
Es gibt ein Sprichwort: „Das Schwert ist ruhig, der Mensch ist ruhig, der Gegner fällt.“
Somit könnte man Uke Nagashi auch als reinigende Bewegung umschreiben.
Im Bujinkan Budō Taijutsu ist Uke Nagashi weniger Schwerttechnik, als ein universelles Bewegungsprinzip, was Körperbewegung und Waffenführung einheitlich betrifft. Was Uke Nagashi im Bujinkan besonders macht, ist der Fokus auf Nagare (Fluss), die Nutzung des Kukan (Raum) und das Arbeiten mit Kyojitsu (Täuschung). Es sieht oft weich aus, ist aber im Grundsatz strukturell und kontrolliert, wenn die Kihon und das Zusammenspiel der aufbauenden Waza gut verinnerlicht wurden. Dieses Verständnis ist die Grundlage für Chikara no Iranai Waza 力のいらない技,den Techniken die keine Kraft benötigen.
„Brich nicht direkt die Balance deines Gegners (Kuzushi 崩し), sondern führe ihn in einen Raum (Kūkan 空間), in dem er von selbst kein Gleichgewicht mehr hat.“
Masaaki Hatsumi Soke
„Beweg dich so, dass du nicht da bist, wenn er ankommt.“
In der Tenshin Shōden Katori Shintō Ryū beschreibt Uke Nagashi das Zusammenspiel von Raum gewinnen (Maai), Stellung einnehmen (Kurai), Zeit stehlen (Hyōshi), Linie halten (Kachiguchi), und im Fluss schneiden (Nagare). Die Klinge ist nur der sichtbare Teil des großen Ganzen. Der eigentliche Kampf findet in Raum, Timing und Geist statt.
In der Kashima Shintō Ryū ist Uke Nagashi umschrieben als das Bewahren der eigenen Mitte, während der Gegner seine verliert und die Klinge folgt, denn der Geist führt.
Das Sprichwort umschreibt dies: „Steh wie ein Pfahl, der Wind biegt sich um dich.“
Beschreibt doch in der Yagyū Shinkage Ryū das Uke Nagashi auch weniger die Technik als mehr der Ausdruck des Heiho 兵法, der Leere des Herzens und des Lebensschwerts. Hier bekommt das Umlenken eine stark innere, geistige Bedeutung. Den Angriff so leer werden lassen, dass weder Sieg noch Niederlage entstehen müssen.
Der Gegner verliert, ohne dass du kämpfen musst.
In der Enshin Ittō Ryū Battō Jutsu ergibt das Uke Nagashi einen deutlich funktionalen, schnittorientierten Charakter. Hier ist das Fließenlassen untrennbar mit dem Zug aus der Saya und dem ersten Schnitt verbunden. Es ist weniger philosophisch formuliert, aber extrem präzise in Prinzip und Anwendung. Vielleicht kann man es als ein Schwert und ein Entschluss beschreiben, als die Entscheidung in einem Augenblick.
Jede Tradition interpretiert Uke Nagashi etwas anders, das Grundprinzip bleibt jedoch bei allen gleich.
Jürgen Bieber 風流

Hatsu Keiko 初稽古 2026

von Jürgen 9. Januar 2026

Wie jedes Jahr beim ersten Unterricht, hängen diese beiden Rollen von Hatsumi Soke im Dojo aus. Sie erinnern an den Weg, den wir alle gehen und läuten das neue Übungsjahr ein.

Shiki Haramitsu Daiko Myō  色波羅蜜大光妙

Saino Kon Ki 才の根気 / 才能の根気

Utsuwatakai 器高い bedeutet:
„Ein Mensch, dessen Geist groß genug ist, um wahres Budō zu tragen.“

Beginne jetzt dein Training in unserem Dojo

von Jürgen 7. Januar 2026

Worin liegt der Vorteil Seminare zu besuchen?

von Jürgen
Der Besuch von Seminaren ist aus mehreren Gründen besonders wertvoll, sowohl für Anfänger als auch für fortgeschrittene Bugeisha.
An erster Stelle steht die persönliche Weiterentwicklung. Man ist offen Fehler zu erkennen, die man im regulären Dōjō Training vielleicht übersieht und an ihnen zu arbeiten. Neue Perspektiven auf Bewegung, Timing, Distanz und Gefühl werden aufgezeigt und es erzeugt eine Motivation durch frischen Input und neue Herausforderungen.
Es ergibt sich ein Austausch und eine neue Vernetzung, mit anderen Trainierenden, aus anderen Dōjō und Ländern. Gleichzeitig entsteht ein Erfahrungsaustausch über Trainingsmethoden, Interpretation von Techniken und Philosophie. Die Gemeinschaft der Trainierenden wird gestärkt und der Budō – Geistes wird gelebt.
Mehrere Stunden Training an ein oder mehreren Tagen ergibt einen Fortschritt durch hohe Übungsdichte an investierter Zeit. Denn der Körper und Geist kommen in einen tiefen Trainingsfluss, der im Alltagstraining selten erreicht wird.
In Seminaren können Sonderthemen weitergegeben und genauer beschrieben werden. Der Fokus auf spezielle Themen wie z. B.: Einzelne Ryūha, deren Waffen (Bō, Katana, Tantō, Hanbō etc.), historische Hintergründe und Prinzipien des Bujutsu, ergeben einen ganzheitlichen Ansatz. Themen, für die im normalen Training oft zu wenig Zeit bleibt.
Somit erzeugen Seminare mehr ein Verständnis, statt reines Techniksammeln. Sie fördern Grundlagen, natürlicher Bewegungslehren, Anpassungsfähigkeit und Intuition, als Kampfkünstler.
Gute Lehrer inspirieren und führen die Tradition weiter, so wie sie es selbst erlernt und vertieft haben. Immer mit einem Bezug zur Quelle, ergibt sich eine Weitergabe von Wissen, Geschichten und Erfahrungen, die nicht in Büchern stehen.
Erinnere dich daran, dass Bujinkan und Enbukan lebendige Systeme sind.
Jürgen Bieber 風流

Hatsu Keiko, das erste Training im Jah

von Jürgen 4. Januar 2026
Hatsu = Erste oder Anfang
Keiko = Training oder Übung
Im Dojo ist das erste Training eine wichtige Tradition und läutet einen Neuanfang ein, in dem die Schüler und Lehrer mit neuem Elan und Engagement ins kommende Jahr starten.
Es ist ein besonderer Moment um das neue Jahr zu begrüßen, mit frischer Energie und Motivation an sich und gemeinsam im Dojo zu arbeiten, als weiteren Lebensabschnitt.
In manchen Dojo gibt es hierzu die Tradition des Kagami Biraki 鏡開き, den Spiegel öffnen:
Die Tradition geht zurück auf Tokugawa Ietsuna. Der am Vorabend des Krieges seine Daimyo in seiner Burg versammelte, um ein Fass Sake aufzubrechen und anzustoßen. Mit dem Sieg begann eine neue Tradition, denn es wurde als Symbol des Glückes betrachtet.
1 Hierzu gibt es eine kurze Besinnung und eine Begrüßung durch den Lehrer.
2 Eine Reflektion über die Ziele und Themen des kommenden Jahres.
3 Embu, kleine Vorführung von Kata
Das erste Training im Jahr sollte immer den Fokus auf die Kihon besitzen, denn sie ist die Wurzel die die Nährstoffe für das Neue nach oben fördert und der Körper gewöhnt sich wieder an verinnerlichte Bewegungen. Gefolgt von einem Ausblick auf das Thema und Prinzipien des neuen Jahres, um die Schüler abzuholen.
Lasst uns zusammen das erste gemeinsame Training im Jahr feiern und die Erneuerungszeremonie auf ein glückliches erfolgreiches neues Jahr zelebrieren.
Das erste Bujinkan Training ist am Donnerstag 08.01.2026
Das erste Enbukan Training ist am Dienstag 13.01.2026
Ich wünsche allen Mitgliedern des Furyu Dojo und unseren Freunden, einen guten Start in das Trainingsjahr 2026.
Jürgen Bieber