Bujinkan Furyu Dojo e.V. - Schule für traditionelle japanische Kampfkünste

Hatsumi Soke Tai Kai 1996 in den Netherlands. Dieser Sweater ist 30 Jahre alt…

von Jürgen 25. Februar 2026

Hatsumi Soke Tai Kai 1996 in den Netherlands. Dieser Sweater ist 30 Jahre alt…

von Jürgen
Ich kann nur unendlich dankbar sein, für die vielen Jahre. Alle die noch bei Hatsumi Soke trainieren konnten und ihn auf der Tatami und privat erleben durften, können sich glücklich schätzen. Wir haben die Aufgabe seine Lehren nicht vergessen zu lassen und für die Zukunft zu bewahren.

Das Tantō Jutsu 短刀術 der Sengoku jidai

von Jürgen 23. Februar 2026

Das Tantō Jutsu 短刀術 der Sengoku jidai

von Jürgen
In der turbulenten Sengoku jidai war das Tantō, das japanische Kurzschwert, weit mehr als nur eine Nebenwaffe der Samurai. Während das Katana für offene Gefechte und lange Schnitte eingesetzt wurde, spielte der Tantō seine Stärken vor allem im Nahkampf aus und besonders gegen Gegner in Yoroi, den schweren Lamellen- und Metallrüstungen jener Zeit.
Die Rüstungen waren zwar robust, wiesen jedoch stets natürliche Schwachstellen auf. Unter den Armen, im Bereich der Hüfte, am Nacken und hinter den Oberschenkeln fanden sich Lücken zwischen den Platten. Dort setzte der geübte Samurai mit gezielten Stichen des Tantō an. Gerade dafür war die Klinge des Yoroi dōshi optimiert. Sie war kurz, massiv und steif, mit einer verstärkten Spitze, die auch punktuelle Stöße in die Öffnungen der Rüstung aushielt. Eine große Krümmung war nicht nötig, denn der Stoß sollte präzise in die Lücken der Rüstung geführt werden und Schnitte spielten nur eine untergeordnete Rolle.
Die Techniken des Tantō Jutsu konzentrierten sich auf schnelle, punktgenaue Stöße. Das Tsuki, der direkte Stoß, ebenso wie Varianten wie Ura zuki oder Gyaku zuki, um schwer zugängliche Stellen zu treffen. Häufig kombinierten Samurai diese Stiche mit Griff- und Hebeltechniken, um die Rüstung zu überwinden oder den Gegner in Position zu bringen. Präzision, Geschwindigkeit und Kenntnis der Rüstungslücken waren entscheidend, denn rohe Kraft allein genügte selten.
So wurde das Tantō zu einer praktischen, lebensrettenden Waffe, die im dichten Nahkampf den Unterschied ausmachen konnte. Anders als die kunstvollen, oft filigranen Dolche früherer Epochen war das Sengoku Tantō eine Arbeitswaffe, robust, funktional und auf den Krieg zugeschnitten. Es verkörpert die Balance zwischen Schlichtheit, Zweckmäßigkeit und tödlicher Effizienz, die die Samurai dieser Ära charakterisierte.
Jürgen Bieber 風流

Sōte no Mune 添手の棟

von Jürgen 17. Februar 2026

Sōte no Mune 添手の棟

von Jürgen
Tōjutsu 刀術
Sōte 添手, bedeutet eine unterstützende Hand.
Mune 棟, bezeichnet die Rückseite des Schwertes (gegenüber der Schneide, Ha).
Es beschreibt die Hand, die beim Führen des Schwertes auf der Mune liegt, um Kontrolle, Stabilität und Kraft zu unterstützen. Sprich, sie unterstützt den Schnitt, kontrolliert die Richtung und stabilisiert das Schwert, wenn sie auf der Mune platziert wird. Daraus generiert sich eine stabile, kontrolliert Bewegung und Führung.
Wenn die linke Hand (für Rechtshänder) auf der Mune liegt, kann man den Winkel des Schwertes feiner justieren. Die Hand am Schwertrücken hilft beim Durchdrücken eines Schnittes, Stechen oder beim Abfangen eines gegnerischen Angriffs.
Die konkrete Platzierung auf der Mune ist meist nur in Koryū / Kobujutsu erhalten geblieben und weniger in modernen Stilen.
Vielleicht kann man es auch so ausdrücken: In den Koryū wird auf präzise Grifftechnik an der Mune bei der Schwertführung verwiesen und im Kobujutsu, ist eher ein funktionales Prinzip beschrieben, das trotzdem ein effektives unterstützen der Hand für das Schwert und andere klassische Waffen in sich trägt.
Jürgen Bieber 風流

Tobiguchi 鳶口 – Techniken mit dem Tobiguchi Feuerhaken

von Jürgen 4. Februar 2026

Tobiguchi 鳶口

von Jürgen 1. Februar 2026

Neue kurze Tobiguchi für das Dojo

Tobiguchi 鳶口

von Jürgen
Edo no Hana – Die Blumen von Edo
In der Edo Jidai (1603 – 1868) wurde die Metropole Edo sehr häufig von feuern heimgesucht, die Teilweise ganze Stadtviertel niederbrannten. Die Gebäude bestanden aus schnell entzündlichen Materialien wie Holz, Papier usw. Die japanische Architektur (Nihon Kenchiku) erstreckt sich von der Yayoi Jidai (5. Jahrhundert v. Chr.) bis hin in die Edo Jidai. Brände waren bei den Menschen gefürchtet und ihre Häufigkeit in Edo lies den Namen Edo no Hana bei den Menschen entstehen. Die (Feuer)Blumen von Edo.
Um z.B. Wände und brennendes Material niederzureisen, oder beiseite zu ziehen, gab es das Tobiguchi. Ein Stock mit ca. 50cm aus Holz und Eisenbeschlägen. Auf der einen Seite fand man einen Metallhaken, in der Form eines Vogelschnabels nachempfunden und auf der Griffseite konnte z.B. ein Metallkeil oder Knauf angebracht sein. Ein Hilfsmittel um zu schlagen, ziehen oder zu hebeln. Unterschiedliche Ausführungen waren Gang und Gäbe. Manche Tobikuchi bestanden zur Gänze aus Metall, andere hatten auch nur einen Metallkern, die mit Ringen über den Schaft aufgeschrumpft wurden und dadurch eine bessere Stabilität boten. Einige Ausführungen besaßen auch einen breiten Kagi (Seitlicher Haken), der zum Einhängen im Obi bestimmt war. Somit war das Tobiguchi in erster Linie ein Werkzeug zur Feuerbekämpfung.
Die Feuerwehrmänner der Edo Jidai erhielten schnell ein Ansehen als Männer mit Courage und Selbstopferung in ihren Einsätzen. Doch die andere Seite war für ihr Temperament und rohes Benehmen bekannt. Was dann schnell zum Einsatz des Werkzeuges Tobiguchi, als Waffe Tobiguchi geführt hat. Für das gemeine Volk war das Tragen von Waffen stark eingeschränkt, oder verboten. Daraus entstand natürlich alles was man bei sich trug, oder griffbereit war, auch einzusetzen.
Die Feuer wurden oft auch von Kriminellen gelegt, um z.B. Diebstähle zu begehen. Wenn die Feuerwehr eintraf, waren die Diebe manchmal noch zugange und griffen die Feuerwehrleute an. Diese nutzten dann das Tobiguchi auch als Selbstverteidigungswaffe.
Eine Vielzahl an Anwendungsoptionen ergab auch dieses Werkzeug / Waffe im Kampf. Auf der einen Seite hatte man durch die Länge, ein wendiges Schutzschild gegen sämtliche einschlagende Waffen und auf der anderen Seite konnten damit Waza (Arbeitsweisen) die dem Kama Jutsu ähnlich oder gleich waren ausführen.
Das Tobiguchi wie einen Knüppel zu schwingen war die leichteste Art des Schlagens, es aber in sein Taijutsu effektiv zu integrieren erforderte schon eine gewisse Fertigkeit und Wissen. Die damit zugefügten Verletzungsoptionen umspannten das ganze Schema von Prellungen, bis hin zu einem fatalen Ausgang.
In der Bakumatsu Jidai (ca. 1850–1868) taucht der Tobiguchi häufiger in Berichten und Holzschnitten als Waffe der einfachen Leute auf, besonders bei Unruhen, Feuerwehrkämpfen und Straßenkonflikten.
Die genannte kürzere Form war besonders nützlich in engen Räumen und beim ziehenden-, hakenden-, blockierenden Bewegungen. Dadurch konnte man den Gegner aus dem Gleichgewicht zu bringen und überwältigen.
Es existiert keine eigenständige Tobiguchi Tradition (Ryūha) mit festen Kata, als Waffe. Das Wissen stammt aus Berichten, Bildquellen und Überschneidungen.
Das Tobiguchi ist auch kein typisches Werkzeug das von Shinobi eingesetzt wurde, doch nichts ist wirklich auszuschließen und bleibt wohl im Schleicher der Vergangenheit verborgen, wie so vieles…
„…denn wahr ist, dass man alle Waffen (Gegenstände), die man besitzt, gebrauchen sollte, statt sein Leben wegzuwerfen. Zu sterben, mit einer unbenutzten Waffe (Gegenstand) in seinem Gürtel, das wäre bedauerlich.“
Miyamoto Musashi

Die Geister der Kuki – Kuki no Rei 九鬼の霊

von Jürgen 30. Januar 2026
Kukishin Ryū Kodachi Jutsu 九鬼神流 小太刀術
In der Kukishin Ryū 九鬼神流 gibt es einige interessante Erzählungen zum Thema Shōtō und meist im Zusammenhang mit Nahkampf, auf engem Raum und zur Kontrolle. Die Tradition war eine Samurai- und Seefahrerlinie von der späten Kamakura Jidai bis in die frühe Edo Jidai. In den Erzählungen heißt es, dass in manchen Situationen das Shōtō zur entscheidenden Waffe wurde, um Gegner zu entwaffnen oder über Bord zu stoßen.
Die Tradition ist stark mit Kumiuchi (bewaffnetes Ringen in Rüstung) verbunden.
Der Geister der Kuki und die Legenden aus der Küstenregionen. In regionalen Erzählungen aus Kumano und der Ise Bucht wird von Kuki Samurai berichtet, die bei Nachtangriffen auf Piratenboote nur mit kurzen Klingen und Seilen kämpften. Diese Geschichten sind stark ausgeschmückt, aber sie unterstreichen das Bild der Kukishin Ryū als Schule für unorthodoxe, praktische Gefechtssituationen.
In den Küstendörfern rund um Kumano und die Ise Bucht erzählen die Ältesten noch heute Geschichten, die irgendwo zwischen Chronik und Mythos schweben. Man nennt sie auch die Geister der Kuki, nicht, weil diese Samurai wirklich übernatürlich gewesen wären, sondern weil sie in den Erinnerungen der Menschen wie Schatten aus Nebel und Mondlicht auftauchen.
Eine der bekanntesten Erzählungen spielt in einer stürmischen Nacht vor der Küste von Shima. Fischer sollen damals Lichter auf dem Wasser gesehen haben, wie tanzende Irrlichter. Erst später erfuhren sie, dass es keine Geister waren, sondern die Männer des Kuki Klans. In kleinen Booten näherten sie sich lautlos den Piratenschiffen, die in der Bucht ankerten. Anstatt mit Pfeilen oder Musketen anzugreifen, warfen sie Seile mit Haken über die Reling, zogen sich heran und kämpften Mann gegen Mann mit kurzen Klingen. Die Piraten, so heißt es, glaubten, von Dämonen überfallen zu werden, weil die Angreifer aus der Dunkelheit auftauchten und genauso schnell wieder verschwanden.
In Kumano wiederum erzählt man von einem Pfad entlang der Klippen, den nur die Kuki gekannt haben sollen. Dort, wo das Meer tief unter den Felsen tobt, sollen sie sich bei Nebel entlanggeschlichen haben, um Piratenlager von der Landseite her anzugreifen. Die Dorfbewohner berichten, dass man manchmal noch das Klirren von Stahl im Wind zu hören glaubt, wenn der Nebel vom Meer heraufzieht.
Historisch lassen sich viele dieser Geschichten nicht belegen, doch sie spiegeln ein reales Bild wider. Denn der Kuki Klan war eng mit der Küste und der Seefahrt verbunden und für seine unkonventionellen Methoden bekannt. Die Kukishin Ryū, die aus dieser Tradition hervorging, bewahrt dieses Image bis heute als Tradition, die weniger Wert auf formelle Duelle legte, sondern auf das Überleben in chaotischen, praktischen Gefechtssituationen.
In den Küstenregionen und Tempelchroniken gibt es noch einige weitere Erzählungen, die das Bild der Kuki als Samurai auch mit kurzen Klingen und ungewöhnlichen Taktiken vertiefen. Auch hier vermischen sich Überlieferung, lokale Folklore und spätere Ausschmückung.
Eine Geschichte aus der Gegend um Owase berichtet von einem nächtlichen Überfall auf ein Piratenversteck in einer Felshöhle. Die Piraten hatten ihr Lager tief in eine Bucht gelegt, die nur bei Flut erreichbar war. Der Legende nach wateten die Kuki Samurai bei Ebbe durch das knietiefe Wasser, mit Tantō und Shōtō hochgebunden, damit die Klingen nicht vom Salzwasser beschädigt wurden. Als die Flut zurückkehrte, waren sie bereits im Inneren der Höhle. Die Piraten sollen im Schlaf überrascht worden sein, und die Dorfbewohner erzählten später, man habe am nächsten Morgen nur noch verlassene Boote und abgeschnittene Seile gefunden, die im Wasser trieben.
In der Ise Bucht gibt es eine Erzählung über einen Kuki Anführer, der der Mann mit den zwei Schatten genannt wurde. Man sagt, er trug zwei kurze Klingen, eine an der Hüfte und eine am Rücken. Bei einem Angriff auf ein größeres Schiff soll er sich an der Bordwand hochgezogen haben, während seine Männer Ablenkung schufen. Oben angekommen, habe er mit der ersten Klinge die Laternen zerschlagen, um Dunkelheit zu schaffen, und mit der zweiten lautlos die Wachen ausgeschaltet. Für die Seeleute wirkte es, als bewege sich nur ein einziger Schatten über das Deck.
Aus Kumano stammt auch die Legende vom Regenkampf. Während eines plötzlichen Sommergewitters sollen Kuki Samurai einen Piratenkonvoi auf einem schmalen Küstenpfad gestellt haben. Lange Waffen waren im dichten Unterholz unbrauchbar, also griffen sie zu kurzen Klingen und Seilen. Man erzählt, der Regen habe die Fackeln gelöscht und die Schreie im Donner verschluckt, sodass die Dorfbewohner nur am nächsten Morgen die Spuren des Kampfes sahen. Nur zertrampelten Boden, zerfetzte Mäntel und Klingenabdrücke im weichen Schlamm, konnten am nächsten Morgen gefunden werden.
Eine ruhigere, fast melancholische Geschichte handelt von einem alten Kuki Samurai, der sich nach Jahren auf See in sein Dorf, nahe eines Schreins zurückgezogen haben soll. Wenn Kinder ihn nach seinen Waffen fragten, zeigte er ihnen nur ein kleines, schlichtes Messer und sagte: Auf dem Meer gewinnt nicht der mit der längsten Klinge, sondern der, der weiß, wo er stehen muss, wenn die Wellen kommen.
Diese Worte wurden später oft als Sinnbild für die Denkweise der Kukishin Ryū zitiert.
All diese Erzählungen sind weniger als historische Berichte zu verstehen, sondern als Spiegel dessen, wie die Menschen die Kuki sahen. Nicht immer als prunkvolle Krieger auf offenen Schlachtfeldern, sondern als lautlose, anpassungsfähige Kämpfer der Küste und der See, deren kurze Klingen und kluge Taktiken im Schatten und in der Enge ihre größte Stärke waren.
Eine bekannte Dojo Geschichte aus späteren Kuki Linien erzählt, dass Schüler mit dem Rücken an einen Holzpfosten gestellt wurden und Angriffe nur mit dem Shōtō abwehren durften.
Die Lehre dahinter:
Wenn du keinen Raum hast, hast du nur noch dein Herz und dein kurzes Schwert.
Eine typische Anekdote beschreibt einen Kuki Samurai, der im Gerangel sein Langschwert verliert und mit dem Shōtō den Gegner kontrolliert, während er ihn zu Boden zwingt.
Daraus wurde dann der Satz: Das kurze Schwert ist das, was bleibt, wenn alles andere verloren ist.
In der Schlacht bei Okehazama (1560), in einem Nachtangriff, wird der berühmte Überraschungsangriff Oda Nobunagas auf Imagawa Yoshimoto erwähnt. Auch wenn die Kukishin Ryū nicht direkt historisch belegbar beteiligt war, wird das Ereignis in der Schule als Lehrbeispiel für den Einsatz kurzer Waffen bei Chaos, Regen und engen Räumen genutzt, also dann, wenn lange Klingen schwer zu führen sind.
Eine weitere Erzählung, beschreibt ein Samurai der den Gegner mit dem Shōtō zu Boden zwingt und dann mit Hōjōjutsu fesselt, statt ihn zu töten.
So leben die Geister der Kuki weniger als historische Figuren weiter, sondern als Teil der lokalen Identität. Als Sinnbild für List, Anpassungsfähigkeit und die enge Verbindung,
zwischen Mensch Meer und Schatten der Vergangenheit.
Sei dir immer der Tiefe der Traditionen bewusst, die durch Hatsumi Soke weitergegeben wurden.
Jürgen Bieber 風流
(PS.: Die Kata der Kukishin(den) Ryū und vieles mehr, sind in meinem Shōtō Buch zu finden. Viel Spaß beim Lesen und entdecken.)