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Sōte no Mune 添手の棟
Tōjutsu 刀術
Sōte 添手, bedeutet eine unterstützende Hand.
Mune 棟, bezeichnet die Rückseite des Schwertes (gegenüber der Schneide, Ha).
Es beschreibt die Hand, die beim Führen des Schwertes auf der Mune liegt, um Kontrolle, Stabilität und Kraft zu unterstützen. Sprich, sie unterstützt den Schnitt, kontrolliert die Richtung und stabilisiert das Schwert, wenn sie auf der Mune platziert wird. Daraus generiert sich eine stabile, kontrolliert Bewegung und Führung.
Wenn die linke Hand (für Rechtshänder) auf der Mune liegt, kann man den Winkel des Schwertes feiner justieren. Die Hand am Schwertrücken hilft beim Durchdrücken eines Schnittes, Stechen oder beim Abfangen eines gegnerischen Angriffs.
Die konkrete Platzierung auf der Mune ist meist nur in Koryū / Kobujutsu erhalten geblieben und weniger in modernen Stilen.
Vielleicht kann man es auch so ausdrücken: In den Koryū wird auf präzise Grifftechnik an der Mune bei der Schwertführung verwiesen und im Kobujutsu, ist eher ein funktionales Prinzip beschrieben, das trotzdem ein effektives unterstützen der Hand für das Schwert und andere klassische Waffen in sich trägt.
Jürgen Bieber 風流
Tobiguchi 鳶口 – Techniken mit dem Tobiguchi Feuerhaken
4. Februar 2026Tobiguchi 鳶口
1. Februar 2026Neue kurze Tobiguchi für das Dojo
Tobiguchi 鳶口
Edo no Hana – Die Blumen von Edo
In der Edo Jidai (1603 – 1868) wurde die Metropole Edo sehr häufig von feuern heimgesucht, die Teilweise ganze Stadtviertel niederbrannten. Die Gebäude bestanden aus schnell entzündlichen Materialien wie Holz, Papier usw. Die japanische Architektur (Nihon Kenchiku) erstreckt sich von der Yayoi Jidai (5. Jahrhundert v. Chr.) bis hin in die Edo Jidai. Brände waren bei den Menschen gefürchtet und ihre Häufigkeit in Edo lies den Namen Edo no Hana bei den Menschen entstehen. Die (Feuer)Blumen von Edo.
Um z.B. Wände und brennendes Material niederzureisen, oder beiseite zu ziehen, gab es das Tobiguchi. Ein Stock mit ca. 50cm aus Holz und Eisenbeschlägen. Auf der einen Seite fand man einen Metallhaken, in der Form eines Vogelschnabels nachempfunden und auf der Griffseite konnte z.B. ein Metallkeil oder Knauf angebracht sein. Ein Hilfsmittel um zu schlagen, ziehen oder zu hebeln. Unterschiedliche Ausführungen waren Gang und Gäbe. Manche Tobikuchi bestanden zur Gänze aus Metall, andere hatten auch nur einen Metallkern, die mit Ringen über den Schaft aufgeschrumpft wurden und dadurch eine bessere Stabilität boten. Einige Ausführungen besaßen auch einen breiten Kagi (Seitlicher Haken), der zum Einhängen im Obi bestimmt war. Somit war das Tobiguchi in erster Linie ein Werkzeug zur Feuerbekämpfung.
Die Feuerwehrmänner der Edo Jidai erhielten schnell ein Ansehen als Männer mit Courage und Selbstopferung in ihren Einsätzen. Doch die andere Seite war für ihr Temperament und rohes Benehmen bekannt. Was dann schnell zum Einsatz des Werkzeuges Tobiguchi, als Waffe Tobiguchi geführt hat. Für das gemeine Volk war das Tragen von Waffen stark eingeschränkt, oder verboten. Daraus entstand natürlich alles was man bei sich trug, oder griffbereit war, auch einzusetzen.
Die Feuer wurden oft auch von Kriminellen gelegt, um z.B. Diebstähle zu begehen. Wenn die Feuerwehr eintraf, waren die Diebe manchmal noch zugange und griffen die Feuerwehrleute an. Diese nutzten dann das Tobiguchi auch als Selbstverteidigungswaffe.
Eine Vielzahl an Anwendungsoptionen ergab auch dieses Werkzeug / Waffe im Kampf. Auf der einen Seite hatte man durch die Länge, ein wendiges Schutzschild gegen sämtliche einschlagende Waffen und auf der anderen Seite konnten damit Waza (Arbeitsweisen) die dem Kama Jutsu ähnlich oder gleich waren ausführen.
Das Tobiguchi wie einen Knüppel zu schwingen war die leichteste Art des Schlagens, es aber in sein Taijutsu effektiv zu integrieren erforderte schon eine gewisse Fertigkeit und Wissen. Die damit zugefügten Verletzungsoptionen umspannten das ganze Schema von Prellungen, bis hin zu einem fatalen Ausgang.
In der Bakumatsu Jidai (ca. 1850–1868) taucht der Tobiguchi häufiger in Berichten und Holzschnitten als Waffe der einfachen Leute auf, besonders bei Unruhen, Feuerwehrkämpfen und Straßenkonflikten.
Die genannte kürzere Form war besonders nützlich in engen Räumen und beim ziehenden-, hakenden-, blockierenden Bewegungen. Dadurch konnte man den Gegner aus dem Gleichgewicht zu bringen und überwältigen.
Es existiert keine eigenständige Tobiguchi Tradition (Ryūha) mit festen Kata, als Waffe. Das Wissen stammt aus Berichten, Bildquellen und Überschneidungen.
Das Tobiguchi ist auch kein typisches Werkzeug das von Shinobi eingesetzt wurde, doch nichts ist wirklich auszuschließen und bleibt wohl im Schleicher der Vergangenheit verborgen, wie so vieles…
„…denn wahr ist, dass man alle Waffen (Gegenstände), die man besitzt, gebrauchen sollte, statt sein Leben wegzuwerfen. Zu sterben, mit einer unbenutzten Waffe (Gegenstand) in seinem Gürtel, das wäre bedauerlich.“
Miyamoto Musashi
Die Geister der Kuki – Kuki no Rei 九鬼の霊
30. Januar 2026Kukishin Ryū Kodachi Jutsu 九鬼神流 小太刀術
In der Kukishin Ryū 九鬼神流 gibt es einige interessante Erzählungen zum Thema Shōtō und meist im Zusammenhang mit Nahkampf, auf engem Raum und zur Kontrolle. Die Tradition war eine Samurai- und Seefahrerlinie von der späten Kamakura Jidai bis in die frühe Edo Jidai. In den Erzählungen heißt es, dass in manchen Situationen das Shōtō zur entscheidenden Waffe wurde, um Gegner zu entwaffnen oder über Bord zu stoßen.
Die Tradition ist stark mit Kumiuchi (bewaffnetes Ringen in Rüstung) verbunden.
Der Geister der Kuki und die Legenden aus der Küstenregionen. In regionalen Erzählungen aus Kumano und der Ise Bucht wird von Kuki Samurai berichtet, die bei Nachtangriffen auf Piratenboote nur mit kurzen Klingen und Seilen kämpften. Diese Geschichten sind stark ausgeschmückt, aber sie unterstreichen das Bild der Kukishin Ryū als Schule für unorthodoxe, praktische Gefechtssituationen.
In den Küstendörfern rund um Kumano und die Ise Bucht erzählen die Ältesten noch heute Geschichten, die irgendwo zwischen Chronik und Mythos schweben. Man nennt sie auch die Geister der Kuki, nicht, weil diese Samurai wirklich übernatürlich gewesen wären, sondern weil sie in den Erinnerungen der Menschen wie Schatten aus Nebel und Mondlicht auftauchen.
Eine der bekanntesten Erzählungen spielt in einer stürmischen Nacht vor der Küste von Shima. Fischer sollen damals Lichter auf dem Wasser gesehen haben, wie tanzende Irrlichter. Erst später erfuhren sie, dass es keine Geister waren, sondern die Männer des Kuki Klans. In kleinen Booten näherten sie sich lautlos den Piratenschiffen, die in der Bucht ankerten. Anstatt mit Pfeilen oder Musketen anzugreifen, warfen sie Seile mit Haken über die Reling, zogen sich heran und kämpften Mann gegen Mann mit kurzen Klingen. Die Piraten, so heißt es, glaubten, von Dämonen überfallen zu werden, weil die Angreifer aus der Dunkelheit auftauchten und genauso schnell wieder verschwanden.
In Kumano wiederum erzählt man von einem Pfad entlang der Klippen, den nur die Kuki gekannt haben sollen. Dort, wo das Meer tief unter den Felsen tobt, sollen sie sich bei Nebel entlanggeschlichen haben, um Piratenlager von der Landseite her anzugreifen. Die Dorfbewohner berichten, dass man manchmal noch das Klirren von Stahl im Wind zu hören glaubt, wenn der Nebel vom Meer heraufzieht.
Historisch lassen sich viele dieser Geschichten nicht belegen, doch sie spiegeln ein reales Bild wider. Denn der Kuki Klan war eng mit der Küste und der Seefahrt verbunden und für seine unkonventionellen Methoden bekannt. Die Kukishin Ryū, die aus dieser Tradition hervorging, bewahrt dieses Image bis heute als Tradition, die weniger Wert auf formelle Duelle legte, sondern auf das Überleben in chaotischen, praktischen Gefechtssituationen.
In den Küstenregionen und Tempelchroniken gibt es noch einige weitere Erzählungen, die das Bild der Kuki als Samurai auch mit kurzen Klingen und ungewöhnlichen Taktiken vertiefen. Auch hier vermischen sich Überlieferung, lokale Folklore und spätere Ausschmückung.
Eine Geschichte aus der Gegend um Owase berichtet von einem nächtlichen Überfall auf ein Piratenversteck in einer Felshöhle. Die Piraten hatten ihr Lager tief in eine Bucht gelegt, die nur bei Flut erreichbar war. Der Legende nach wateten die Kuki Samurai bei Ebbe durch das knietiefe Wasser, mit Tantō und Shōtō hochgebunden, damit die Klingen nicht vom Salzwasser beschädigt wurden. Als die Flut zurückkehrte, waren sie bereits im Inneren der Höhle. Die Piraten sollen im Schlaf überrascht worden sein, und die Dorfbewohner erzählten später, man habe am nächsten Morgen nur noch verlassene Boote und abgeschnittene Seile gefunden, die im Wasser trieben.
In der Ise Bucht gibt es eine Erzählung über einen Kuki Anführer, der der Mann mit den zwei Schatten genannt wurde. Man sagt, er trug zwei kurze Klingen, eine an der Hüfte und eine am Rücken. Bei einem Angriff auf ein größeres Schiff soll er sich an der Bordwand hochgezogen haben, während seine Männer Ablenkung schufen. Oben angekommen, habe er mit der ersten Klinge die Laternen zerschlagen, um Dunkelheit zu schaffen, und mit der zweiten lautlos die Wachen ausgeschaltet. Für die Seeleute wirkte es, als bewege sich nur ein einziger Schatten über das Deck.
Aus Kumano stammt auch die Legende vom Regenkampf. Während eines plötzlichen Sommergewitters sollen Kuki Samurai einen Piratenkonvoi auf einem schmalen Küstenpfad gestellt haben. Lange Waffen waren im dichten Unterholz unbrauchbar, also griffen sie zu kurzen Klingen und Seilen. Man erzählt, der Regen habe die Fackeln gelöscht und die Schreie im Donner verschluckt, sodass die Dorfbewohner nur am nächsten Morgen die Spuren des Kampfes sahen. Nur zertrampelten Boden, zerfetzte Mäntel und Klingenabdrücke im weichen Schlamm, konnten am nächsten Morgen gefunden werden.
Eine ruhigere, fast melancholische Geschichte handelt von einem alten Kuki Samurai, der sich nach Jahren auf See in sein Dorf, nahe eines Schreins zurückgezogen haben soll. Wenn Kinder ihn nach seinen Waffen fragten, zeigte er ihnen nur ein kleines, schlichtes Messer und sagte: Auf dem Meer gewinnt nicht der mit der längsten Klinge, sondern der, der weiß, wo er stehen muss, wenn die Wellen kommen.
Diese Worte wurden später oft als Sinnbild für die Denkweise der Kukishin Ryū zitiert.
All diese Erzählungen sind weniger als historische Berichte zu verstehen, sondern als Spiegel dessen, wie die Menschen die Kuki sahen. Nicht immer als prunkvolle Krieger auf offenen Schlachtfeldern, sondern als lautlose, anpassungsfähige Kämpfer der Küste und der See, deren kurze Klingen und kluge Taktiken im Schatten und in der Enge ihre größte Stärke waren.
Eine bekannte Dojo Geschichte aus späteren Kuki Linien erzählt, dass Schüler mit dem Rücken an einen Holzpfosten gestellt wurden und Angriffe nur mit dem Shōtō abwehren durften.
Die Lehre dahinter:
Wenn du keinen Raum hast, hast du nur noch dein Herz und dein kurzes Schwert.
Eine typische Anekdote beschreibt einen Kuki Samurai, der im Gerangel sein Langschwert verliert und mit dem Shōtō den Gegner kontrolliert, während er ihn zu Boden zwingt.
Daraus wurde dann der Satz: Das kurze Schwert ist das, was bleibt, wenn alles andere verloren ist.
In der Schlacht bei Okehazama (1560), in einem Nachtangriff, wird der berühmte Überraschungsangriff Oda Nobunagas auf Imagawa Yoshimoto erwähnt. Auch wenn die Kukishin Ryū nicht direkt historisch belegbar beteiligt war, wird das Ereignis in der Schule als Lehrbeispiel für den Einsatz kurzer Waffen bei Chaos, Regen und engen Räumen genutzt, also dann, wenn lange Klingen schwer zu führen sind.
Eine weitere Erzählung, beschreibt ein Samurai der den Gegner mit dem Shōtō zu Boden zwingt und dann mit Hōjōjutsu fesselt, statt ihn zu töten.
So leben die Geister der Kuki weniger als historische Figuren weiter, sondern als Teil der lokalen Identität. Als Sinnbild für List, Anpassungsfähigkeit und die enge Verbindung,
zwischen Mensch Meer und Schatten der Vergangenheit.
Sei dir immer der Tiefe der Traditionen bewusst, die durch Hatsumi Soke weitergegeben wurden.
Jürgen Bieber 風流
(PS.: Die Kata der Kukishin(den) Ryū und vieles mehr, sind in meinem Shōtō Buch zu finden. Viel Spaß beim Lesen und entdecken.)
Aizu den Mugai Ryū Kodachi Jutsu 会津伝 無外流 小太刀術
28. Januar 2026Die Aizu Tradition des Kurzschwertes
Aizu 会津 war ein mächtiges Samurai Lehen im Norden Japans (heute Präfektur Fukushima) und berühmt für extreme Loyalität zum Tokugawa Shōgunat, einer harten militärische Ausbildung und der konsequenten Bushidō Ethik.
Den 伝 bedeutet Überlieferung und Linie. Die Aizu den Mugai Ryū ist also eine regional geprägte Weitergabe der Tradition, angepasst an die militärische Realität der Aizu Samurai. Das Oberhaupt der Familientradition ist Fudoshin Machita Soke.
Während sich viele Traditionen auf das Langschwert, das Katana konzentrieren, ist die Aizu den Mugai Ryū besonders bekannt für sein hoch entwickeltes Kurzschwertsystem. Das Training folgt einer klaren Linienübertragung, ohne Wettkämpfe und Sportform. Das Kodachi Jutsu wird seit jeher nur an fortgeschrittene Schüler unterrichtet, da es hohe Kontrolle und Verständnis für die Schwertprinzipien erfordert. Im Enbukan wurde diese Tradition erst ab dem 5. Dan in der Enshin Ittō Ryū Battō Jutsu Unterrichtet. Nun besteht die Möglichkeit bereits ab dem 4. Dan mit der Kihon zu beginnen. Hierzu entrichten wir ein herzliches Dankeschön am Machita Soke, für sein Vertrauen, die Unterstützung und die Möglichkeit mit der Weitergabe früher zu beginnen.
Im historischen Kontext der späten Edo Jidai, ca. 1700–1800 Jahrhundert, war Aizu noch immer ein militärisch aktives Lehen, kein rein zeremoniell kontrolliertes Samurai Gebiet. Die Lehren des Kurzschwertes entwickelte sich dort nicht als Duellkunst, sondern als Notfall- und Nahkampfsystem für die reale Gewalt.
Der Einsatz dieser Waffe war geprägt durch Innenräume (Residenzen, Flure, Treppen), im Bewachungsdienst und in der Gefangennahme von Verdächtigen. Ebenso kam es nach Verlust oder Bruch des Langschwerts zum Einsatz. Das Kämpfen in Rüstung oder eher in Straßenkleidung war üblich.
Man sagt, im Vergleich zu anderen Mugai Ryū Linien ist die Aizu den eher Direkter, weniger ritualisiert und mehr Praxisbezogen. Das Kodachi ist ebenso ein Werkzeug zur Kontrolle, nicht nur zum Schneiden. Diese Tradition ist auch eine der wenigen die den Fokus auch auf das Battō, das präzise Schwertziehen legen. Bei der Mehrheit der Ryū ha war die Klinge vor dem Kampf bereits gezogen und starten dann den Kampf.
Aizu Samurai waren bekannt für das strategische Ausbildungsprinzip des Sterbens, um zu erfüllen. Shinu to shitte tsukae, diene, als wärst du bereits tot, umschrieb ihren Kodex.
Das prägte ihr Kodachi System massiv und Bedeutung im Kampf kein Rückzug als Standardoption, kein Distanzspiel auf Sicherheit, es war auf kurze Distanzen und den Fokus auf Missionserfüllung, nicht auf das Überleben ausgerichtet.
Ihre Kodachi Führung wurde genutzt, um eine Person zu stoppen, den Raum zu sichern und ebenso Zeit zu gewinnen. Auch wenn der eigene Tod wahrscheinlich war.
Die Aizu den betont auch das Naisen 内線, die innere Linie. Du gehst nicht um den Gegner herum, du gehst durch ihn hindurch. Die Schulterlinie, Hüftlinie, Kehle
und Handgelenke waren ihre Ziele. Viele Formen enden Brust-an-Brust-Distanz oder in seitlicher Dominanzposition.
Die Aizu den betont Pflicht, Entschlossenheit, körperliche Durchsetzung und Funktionalität. Das Zen ist da, aber eher im Hintergrund. Im Vordergrund steht Bushi no hataraki, die Funktion des Kriegers.
Das Kodachi wurde oft als Wächterwaffe der Aizu eingesetzt und trainiert, um in Palästen, Residenzen, für Eskorten und um für die Tür- und Flursicherung zu fungieren.
Typische Arbeitsweisen lagen in engen Räumen in Schnitten von unten nach oben. Dem pressen mit der Klinge gegen Wände oder Körper und dem Arbeiten entlang von Säulen, Türrahmen und Treppen. Der enge Raum ist Teil der Arbeitsweisen.
Die Aizu den Kata sind oft nicht lang, weniger symbolisch, aber effizient und effektiv in ihrer Anwendung.
Viele Bewegungsprinzipien werden aus stehenden-, sitzenden- oder auch gehenden Positionen ausgeführt. Ebenso wie es das Alltagsverhalten vorgibt und nicht zwangsläufig aus formellen Duellen bestand.
Die Geistige Schulung umschreibt das mentale Training des Fudōshin (unbewegter Geist), dem Chū (absolute Loyalität) und dem Kakugo, der Entschlossenheit bis zum Tod. Darum wird das Kodachi als Verlängerung des Willens gesehen, nicht der Technik.
Viele Prinzipien dieser Linie wurden bitterer Ernst im Boshin Krieg (1868–69), als Aizu bis zum Ende gegen die kaiserlichen Truppen kämpfte. Die berühmte Byakkotai (Weiße-Tigereinheit) verkörpert genau diesen Geist, der Pflicht über das Leben.
Das Kodachi in der Aizu den Mugai Ryū ist keine Nebenwaffe, sondern ein vollwertiges Kampfsystem. Typisch sind: Enge Distanz, schnelle Richtungswechsel, Täuschungen, Kontrolle der gegnerischen Klinge und Schnitte aus ungewöhnlichen Winkeln. Das System ist darauf ausgelegt, einen Langschwertkämpfer auf kurze Distanz zu neutralisieren.
Technische Prinzipien liegen im Maai (Distanzkontrolle), Zanshin (ständige geistige Präsenz), Sen no sen (Initiative vor dem Angriff des Gegners) und Minimalistische und direkte Bewegungen.
Traditionell wird mit Bokuto und Iaito Kodachi (Holzschwert) trainiert.
Die Philosophie des Mugai bedeutet, nichts existiert außerhalb des eigenen Bewusstseins. Das Ziel ist nicht nur der Sieg im Kampf, sondern auch die Klarheit des Geistes, das Handeln ohne zu Zögern und die Leere als Quelle der richtigen Entscheidung.
Die tieferen Prinzipien des Mugai 無外: Es gibt nichts außerhalb des gegenwärtigen Augenblicks. Das ist kein poetischer Name, sondern das Zentrum der Tradition.
Das Mugai stammt aus dem Zen und im Kampf heißt das kein Festhalten an Technik, kein vorgedachter Plan, kein ich greife jetzt an, nur reines Reagieren auf das, was ist.
Das Kodachi ist ideal für diesen Zweck. Denn es ist zu kurz für Dominanz auf Distanz und zu nah für eine Planung. Du musst im Moment sein, sonst verlierst du!
In der Mugai Ryū ist Distanz kein Abstand, sondern ein Zustand. Denn mit dem Kodachi bist du ständig im gefährlichen Raum.
Darum merke dir:
Du kannst nicht gewinnen, indem du sicher bleibst.
Du bleibst sicher, indem du entscheidest.
Zögern ist gefährlicher als Nähe.
Jürgen Bieber 風流
Bujinkan Golden Dragon Award
23. Januar 2026
Vor vielen Jahren… Es war eine schöne Zeit und ich bin sehr dankbar dafür.
Eine spezielle Auszeichnung, die von Masaaki Hatsumi Soke an verdiente Schüler verliehen wird, die sich durch außergewöhnliche Hingabe, Wissen, Geschick und Förderung des Bujinkan Budo Taijutsu auszeichnen. Sie symbolisiert hohe Anerkennung innerhalb der Organisation und wird für besondere Leistungen vergeben, die über das normale Training hinausgehen.
Zusammenfassend ist die Bujinkan-Goldmedaille ein Zeichen höchster Ehre, die von Hatsumi Soke an herausragende Mitglieder für ihre Arbeit und ihr tiefes Verständnis des Budo Taijutsu verliehen wird.
Schwertsammlung des Wakamatsu Aizu Burgmuseums in Japan
Auszug aus dem japanischen Buch:
Schwertsammlung des Wakamatsu Aizu Burgmuseums
Was ist ein japanisches Schwert?
Auf der Welt gibt es viele Arten von Klingenwaffen wie Messer, Säbel und Schwerter. Unter ihnen gilt das japanische Schwert als eines der schärfsten. Im Ausland wird es auch Katana genannt.
Das japanische Schwert wird aus einem besonderen Stahl gefertigt und zeichnet sich durch seine außergewöhnliche Härte und Schärfe aus. Durch wiederholtes Falten und Schmieden entstehen viele Schichten im Material, wodurch eine einzigartige Struktur und hohe Festigkeit erreicht werden…
Seine Stärke lag nicht nur in der Schneidkraft, sondern auch in seiner symbolischen Bedeutung. Der richtige Umgang mit dem Schwert erforderte jahrelanges Training, Disziplin und geistige Reife.
Die Rolle des Schwertes in der Geschichte:
In der Edo-Zeit besaßen die Samurai das exklusive Recht, Schwerter zu tragen, und das Schwert wurde zum Symbol ihrer gesellschaftlichen Stellung und politischen Macht. Selbst wenn ein Schwert nicht im Kampf eingesetzt wurde, hatte es großen ideellen Wert.
Mit der Meiji-Restauration änderte sich die Rolle des Schwertes stark. Das Tragen von Schwertern wurde verboten, und die Bedeutung des Schwertes als Waffe nahm ab. Stattdessen begann man, es als Kulturgut und Kunsthandwerk zu schätzen.
Das Schwert als Kunstobjekt:
Japanische Schwerter wurden nicht nur nach ihrer Funktion, sondern auch nach ihrer Schönheit bewertet. Klingen wurden nach Form, Linie, Glanz und Struktur des Stahls beurteilt.
So entstand das Konzept des Meitō, berühmte oder legendäre Schwerter, die für ihre außergewöhnliche Qualität bekannt sind.
Schwerter wurden gesammelt, katalogisiert und bewertet. In der Edo-Zeit entwickelte sich eine Kultur der Kenner, die Klingen nach Herkunft, Schmied und Epoche einordneten. …
Schwerter werden nach ihrer Herstellungszeit in Kategorien eingeteilt:
Koto – alte Schwerter (bis Ende des 16. Jahrhunderts)
Shintō – neue Schwerter (ab der frühen Edo-Zeit)
Shinshintō – neuere Schwerter (späte Edo-Zeit)
Diese Einteilung hilft dabei, die Entwicklung der Schmiedekunst und der Formen im Laufe der Zeit zu verstehen.
Bewertung und Prüfung:
Die Qualität eines Schwertes wurde nicht nur optisch beurteilt, sondern auch durch sogenannte Schnittprüfungen. Dabei wurde getestet, wie gut eine Klinge schneiden konnte.
Die Ergebnisse wurden manchmal schriftlich festgehalten und dienten als Nachweis für die Leistungsfähigkeit eines Schwertes.
Ursprünglich war das Schwert ein Werkzeug zum Töten, doch im Laufe der Zeit entwickelte es sich zu einem Objekt mit spiritueller und kultureller Bedeutung. Es steht heute für Disziplin, Handwerkskunst und die Seele des Samurai. …
Das Buch enthält 98 schöne Fotos von Tachi bis Tanto und ich kann einen Museumsbesuch nur empfehlen.



