Ishi Dōrō 石灯籠
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Enshin Ittō Ryū Battō Jutsu – Yoko Ichimonji Nuki Uchi 横一文字抜き打ち
2. Januar 2026Enshin Ittō Ryū Battō Jutsu
Das Schwert ist vom ersten Millimeter an wirksam
Yoko Ichimonji Nuki Uchi 横一文字抜き打ち,der wichtiger Bestandteil der Kihon.
Yoko 横 = Horizontal, seitlich
Ichimonji 一文字 = Eine Linie und eine klare, ununterbrochene Schneidlinie
Nuki Uchi 抜き打ち = Das ziehen des Schwertes und der Schnitt erfolgen gleichzeitig, ohne Vorbereitung.
Daraus entsteht ein horizontaler Ein-Linien-Schnitt, der unmittelbar beim Ziehen des Schwertes ausgeführt wird.
Wann entstand diese Art von Schnitt in der Anwendung?Wenn man versuchen möchte diese klassische Form des Ziehens irgendwo einzuordnen, so kann man bereits ein horizontales Ziehen zu Beginn der Muromachi jidai (ca. 1336–1573) finden. Doch die Zeit des Tachi war dafür noch nicht prädestiniert. Die Trageweis mit der Schneide nach unten, an Bändern hängend und relativ freischwingend beeinträchtigte unter anderem dieses Arbeitsprinzip. Durch die Trageweise des Tachi gab es keinen fixen Bezugspunkt wie der Obi, keine kontrollierte Saya Biki Achse und keine direkte stabile horizontale Linie beim Ziehen, was als Voraussetzung gilt.Somit lässt sich das Yoko Ichimonji Nuki Uchi, wie wir es heute kennen, eher der späten späte Muromachi jidai und frühen Edo jidai zuordnen (ca. 16.–17. Jahrhundert). In diesen Zeiten wo sich die Kampfsituation vom Schlachtfeld mehr in den zivilen Bereich wandelte. Sprich von weniger Massenschlachten hin zu mehr bewaffneten Einzelkonflikten, wie zu Kämpfen in Straßen, Innenräumen und engen Umgebungen.
Das Tragen des Katana im Obi wird Standard und das Ziehen, gepaart mit Schneiden in einem Moment wird kampfentscheidend.
Die technische Evolution von früheren Schnitten begann aus großen Bewegungen, vertikal und aus erhobenen Positionen. Spätere Schnitte wandelten sich im Battō zu kurzen, direkten, überraschenden und linienbetonten Bewegungen und horizontale Ichimonji Schnitte wurden Teil dieser Verdichtung der Techniken.
Was spricht für horizontale Schnittführung?Der rechte Führungsarm war schneller auszuschalten und gleichzeitig konnte der Raum in dieser Zug-Schnitt-Bewegung geschlossen werden.Die Distanzrealität, wo der Gegner sehr nahe war, teilweise auch seitlich positioniert stand und seinen Angriff bereits begonnen hatte, war häufig. Der Schnitt / ein Schlag musste wirksam sein, es war nicht unbedingt ein Duell mit Ansage und oft war der erste Angriff / Schnitt der entscheidende. Somit ist Yoko Ichimonji Nuki Uchi historisch dafür gedacht, im Moment des Ziehens zu wirken.In der Enshin Ittō Ryū ist Nuki Uchi kein Notbehelf, sondern ein vollwertiger, entscheidender Angriff. Es gibt kein Ausholen, kein sichtbares Vorbereiten und es ist maximale Effizienz mit sofortigem Kampfentscheid, denn der Schnitt entsteht während das Schwert die Saya verlässt.Betrachtet man nun das Schnittprinzip dahinter, so gibt es eine exakte Hasuji (Schnittwinkel) Kontrolle und eine durchgehende Schneidlinie. Keine hackenden Bewegungen und eine ruhige, klare Körperstruktur, mit typischem Ziele zum Hals, Torso, Arme und Flanke.Beachtet man die Körpermechanik, so sieht man eine Hanmi (Halb-Körper-Stellung) ähnlicher Körperausrichtung, Koshi Hineri (Hüftrotation) statt Armkraft, stabile Kamae, kontrolliertes Saya Biki, das zusammenspielt. Das Schwert schneidet vom ersten Millimeter an, weil es von den Beinen getragen wird. Die Gedanken (Mushin), die Bewegung und der Schnitt sind eins, alles ist eins im Ichi Byōshi (Ein einziger Takt / ein Schlag).Die Vorteile des Yoko Ichimonji Nuki Uchi liegen in einer guten Anpassungsmöglichkeit an die reale Distanz, Überraschungsmoment und einsetzbar auf kurze Distanz und auf engem Raum. Dadurch generiert sich ein Schnitt, der den Kampf beendet, bevor er sichtbar begonnen hat. Der Gegner kann schon im Ansatz seines Angriffs gestoppt werden.Es ist ein minimaler Weg, mit maximaler Wirkung. Mit kurzer effektiver Schnittbahn, keine Hebelverluste und keiner Öffnung der eigenen Mitte, verlässt das Schwert die Saya direkt auf Zielhöhe.
In vielen Ryū Ha wird dieser Schnitt als Wahrheitsschnitt betrachtet, denn wenn die Ausführung nicht stimmig ist, stirbt der Schnitt sofort. Darum wird er auch in der Enshin Ittō Ryū Battō Jutsu als essenziell angesehen.
Man sagt: „Wenn dieser Schnitt lebt, lebt alles andere. Wenn er tot ist, ist alles andere nur Form.“
Kann man mit Yoko Ichimonji Nuki Uchi durch Kleidung schneiden?Historisch eindeutig ja, wenn bestimmte Bedingungen erfüllt sind. Hierzu muss man auch die Kleidung betrachten. Was gesondert betrachten werden sollte, sind mehrere Lagen moderner Stoffe, dicke Wintermäntel und gepolsterte Schutzkleidung. Die Kleidung der damaligen Zeit war natürlich auch an die Jahreszeiten angepasst und bestand aus:
Seide (絹, kinu), für Adel und Samurai
Hanf (麻, asa), sehr verbreitet im Alltag
Ramie (苧麻, chōma), hochwertiger als gewöhnlicher Hanf bei formeller Kleidung
Baumwolle (木綿, momen), war noch selten und teuer
Diese Materialien sind schnittanfällig, aber nur bei korrekter Hasuji, ausreichender Klingenschärfe und echter Schneidbewegung (kein Drücken). Dann konnte ein horizontaler Schnitt in einer ziehenden Schneidlinie, Spannung der Kleidung quer zur Faser und sofortige Trennung statt Eindringen, die Kleidung schneiden. Es ein sauberer geführter horizontaler Schnitt öffnet auch Textil und die darunterliegende Struktur gleichzeitig.Wichtig, der Schnitt ist nicht gedacht, um durch alles durchdringen zu können, wie Rüstungen und schwere Polster. Doch ebenso wichtig ist die Wirkung auf den gegnerischen Körper in der Ausführung, auch wenn gegebenenfalls der Schnitt nicht durchdringend ist. Die Balance und Aktion des Angreifers wird abrupt gestört und der darauf, in einem Wimpernschlag, folgende zweite Angriff beendet die Situation. So bleibt auch ohne durchdringende Schnittwirkung der erste Treffer der wichtigste.
Jürgen Bieber 風流
Enbukan Jōi shihan
