Bujinkan Furyu Dojo e.V. - Schule für traditionelle japanische Kampfkünste

Das Tantō Jutsu 短刀術 der Sengoku jidai

von Jürgen 23. Februar 2026
In der turbulenten Sengoku jidai war das Tantō, das japanische Kurzschwert, weit mehr als nur eine Nebenwaffe der Samurai. Während das Katana für offene Gefechte und lange Schnitte eingesetzt wurde, spielte der Tantō seine Stärken vor allem im Nahkampf aus und besonders gegen Gegner in Yoroi, den schweren Lamellen- und Metallrüstungen jener Zeit.
Die Rüstungen waren zwar robust, wiesen jedoch stets natürliche Schwachstellen auf. Unter den Armen, im Bereich der Hüfte, am Nacken und hinter den Oberschenkeln fanden sich Lücken zwischen den Platten. Dort setzte der geübte Samurai mit gezielten Stichen des Tantō an. Gerade dafür war die Klinge des Yoroi dōshi optimiert. Sie war kurz, massiv und steif, mit einer verstärkten Spitze, die auch punktuelle Stöße in die Öffnungen der Rüstung aushielt. Eine große Krümmung war nicht nötig, denn der Stoß sollte präzise in die Lücken der Rüstung geführt werden und Schnitte spielten nur eine untergeordnete Rolle.
Die Techniken des Tantō Jutsu konzentrierten sich auf schnelle, punktgenaue Stöße. Das Tsuki, der direkte Stoß, ebenso wie Varianten wie Ura zuki oder Gyaku zuki, um schwer zugängliche Stellen zu treffen. Häufig kombinierten Samurai diese Stiche mit Griff- und Hebeltechniken, um die Rüstung zu überwinden oder den Gegner in Position zu bringen. Präzision, Geschwindigkeit und Kenntnis der Rüstungslücken waren entscheidend, denn rohe Kraft allein genügte selten.
So wurde das Tantō zu einer praktischen, lebensrettenden Waffe, die im dichten Nahkampf den Unterschied ausmachen konnte. Anders als die kunstvollen, oft filigranen Dolche früherer Epochen war das Sengoku Tantō eine Arbeitswaffe, robust, funktional und auf den Krieg zugeschnitten. Es verkörpert die Balance zwischen Schlichtheit, Zweckmäßigkeit und tödlicher Effizienz, die die Samurai dieser Ära charakterisierte.
Jürgen Bieber 風流