Bujinkan Furyu Dojo e.V. - Schule für traditionelle japanische Kampfkünste

止まらぬ剣、途切れぬ心 Tomaranu ken, togirenu kokoro. Ein Schwert, das nicht anhält, ist ein Geist, der nicht abreißt.

von Jürgen 30. August 2026

Übungsgruppe – Aizu den Mugai Ryū Kodachi Jutsu

von Jürgen 5. August 2026

Aizu den Mugai Ryū Kodachi Jutsu 会津伝無外流小太刀術

Es hat etwas gedauert doch nun haben wir mit einer Übungsgruppe begonnen. Ab dem 4. Dan in der Enshin Ittō Ryū Battō Jutsu kann das Studium der Kihon des Aizu den Mugai Ryū Kodachi aufgenommen werden.

Diese traditionsreiche und effektive Kurzschwertkunst aus der Aizu-Region vereint Zen-Philosophie, geistige Disziplin und präzisen Nahkampf mit dem Kodachi. Seit Generationen wird diese besondere Linie der Schwertkunst innerhalb der Familie Machita unter dem Schirm des Enbukan weitergegeben.

Unser Dojo ist stolz darauf, das erste in Deutschland zu sein, das die traditionelle Aizu-Linie des Mugai Ryū Kodachi Jutsu offiziell vermitteln darf.

Interessierte ab dem 4. Dan Enshin Ittō Ryū sind herzlich eingeladen, sich direkt bei mir zu melden.

Viele Grüße,

Jürgen Bieber

Aizu den Mugai Ryū Kodachi Jutsu – Chūden Menkyō

Takagi Yōshin Ryū Jūtaijutsu 高木揚心流柔体術

von Jürgen
Die Takagi Yōshin Ryū Jūtaijutsu nimmt innerhalb der im Bujinkan überlieferten Traditionen eine besondere Stellung ein. Ihr Charakter unterscheidet sich deutlich von Kampfsystemen, die ihre Stärke vor allem in der Bewegung über größere Distanzen oder im Einsatz langer Waffen entfalten. Die Takagi Yōshin Ryū entstand aus einer Lebenswirklichkeit, in der Kämpfe häufig nicht auf offenen Schlachtfeldern, sondern in Burgen, Residenzen und Wohnhäusern ausgetragen wurden. Enge Korridore, kleine Tatami-Räume, niedrige Decken, Holzsäulen und Schiebetüren bestimmten den verfügbaren Bewegungsraum. Die Ryū ha entwickelte deshalb eine Kampfweise, die auf Kontrolle statt Kraft, auf Präzision und auf das geschickte Nutzen des unmittelbaren Nahbereichs ausgerichtet ist.
Gerade darin liegt ihre Besonderheit. Während viele moderne Kampfkünste davon ausgehen, dass sich der Kämpfende frei bewegen kann, lehrt die Takagi Yōshin Ryū, wie man unter räumlichen Einschränkungen überlegen handelt. Der Übende sucht nicht die Flucht aus der Distanz, sondern bewegt sich bewusst in den Raum des Gegners hinein. Es entscheiden Körperstruktur, Gleichgewicht, Timing und das feine Gespür für den Schwerpunkt des Gegners über den Ausgang einer Auseinandersetzung. Das Ziel ist nicht, den Gegner mit roher Kraft zu überwältigen, sondern ihn seiner Fähigkeit zu berauben, Kraft überhaupt wirksam einsetzen zu können.
Diese Denkweise spiegelt sich auch in den Waffen wider, die traditionell mit der Takagi Yōshin Ryū verbunden sind. Das Shōtō, das Kurzschwert, entfaltet seine eigentliche Stärke gerade dort, wo ein langes Katana nur eingeschränkt gezogen oder geführt werden kann. In schmalen Räumen wird das Shōtō mit kurzen, präzisen Bewegungen, die unmittelbar aus der Körpermechanik entstehen geführt. Schnitte, Stiche, Hebel und Kontrolltechniken gehen dabei fließend ineinander über.
Eine ähnliche Rolle übernimmt der Tessen, der eiserne Fächer. Für Außenstehende mag er zunächst ungewöhnlich erscheinen, doch gerade seine Unauffälligkeit machte ihn historisch zu einem wertvollen Begleiter. In Bereichen, in denen Schwerter abgelegt werden mussten oder ihr Tragen unangebracht war, blieb der Tessen verfügbar. Seine eigentliche Stärke liegt nicht allein im harten Schlag, sondern in seiner Vielseitigkeit. Mit ihm lassen sich Gelenke kontrollieren, Finger einklemmen, Druck auf empfindliche Punkte ausüben oder die Bewegung des Gegners unterbrechen, ohne dass dafür große Bewegungen erforderlich wären. Er ergänzt damit genau jene Prinzipien der Tradition, die auf minimale Bewegungen und maximale Kontrolle ausgelegt sind.
Wenn die Kleidung im Kampf eingesetzt wurde, verändert sich der Blick auf die Takagi Yōshin Ryū grundlegend. Haori, Kimono, Obi und Hakama waren für den Samurai keine bloße Bekleidung, sondern gehörten zu seinem Alltag und wurden selbstverständlich in das Kampfverständnis einbezogen. Eine Kampfkunst, die für den täglichen Gebrauch entwickelt wurde, musste daher berücksichtigen, wie sich diese Kleidung auf die Bewegung auswirkte und welche Möglichkeiten sie bot.
Die Bauweise japanischer Häuser, die Etikette innerhalb einer Residenz, die Kleidung des Samurai und die Waffen, die in bestimmten Situationen verfügbar waren, beeinflussten unmittelbar die Entwicklung der Bewegungsprinzipien.
Wer diese Ryū ha studiert, lernt daher nicht nur, wie ein Hebel oder ein Wurf funktioniert, sondern warum sich genau diese Form der Bewegung über Jahrhunderte bewährt hat. Die Takagi Yōshin Ryū bewahrt damit ein einzigartiges Verständnis des Nahkampfes, der nicht im freien Feld entschieden wird, sondern auf engstem Raum, in unmittelbarer Nähe des Gegners und mit einer Ruhe, Präzision und Kontrolle, die bis heute außergewöhnlich wirkt.

 

Furyu Keiko Kai Tag 1

von Jürgen

Der erste Tag des Furyu Keiko Kai ist immer dem japanischen Schwert gewidmet. Der Fokus an diesem Tag, liegt nicht im studieren von reinen Kata, sondern im Bunkai, den Anwendungsprinzipien. So konnte ich verschiedene Einzelanwendungen zweigen und ein breites Spektrum der wunderbaren Schwertkunst des Enshin Itto Ryu Batto jutsu demonstrieren.

Im Anschluss des Unterrichts wurde eine Prüfung abgehalten. Wir gratulieren Sebastian zum 2. Kyu und Patrick zum 1. Dan. Die beide trotz Aufregung einen guten Test ablegen konnten.

Als Abschluss des Abends konnte Ulrich weitere Einblicke in seine tiefgründige initiatische Schwertarbeit an die Teilnehmer weitergeben. Er hat nicht nur super Ausrüstung im bokken-shop, sondern ebenso ein Arbeiten mit dem Schwert zum Wesentlichen des selbst hin.

 

 

Anfahrt zum Furyu Keiko Kai 2026

von Jürgen 21. Juni 2026

Die Schwertarbeit auf begrenztem Raum

von Jürgen 5. Juni 2026

Die Schwertarbeit auf begrenztem Raum, ermöglicht keine ausladenden Bewegungen und dennoch ist es möglich die Klinge effektiv zu führen.

Viele Menschen stellen sich vor, dass ein Katana einen großen Schwung braucht, tatsächlich kann mit Erfahrung auch Schnitte aus sehr kurzen Bewegungen ausführt werden. Die Schneidwirkung entsteht durch die Kombination von Vorwärtsbewegung und ziehendem Schnitt. Der Schnitt muss nicht aus einem großen Ausholen kommen, den viele Techniken beginnen bereits aus einer Position nahe am Körper.

Dabei ist die Bein- und Körperpositionierung ausschlaggebend. Die Kraft kommt aus dem Zusammenspiel von Körper und seiner Positionierung in der Bewegung. Durch kleine Schritte und Drehungen kann die Klinge aus günstigen Winkeln eingesetzt werden. Teilweise fließt eine Veränderung der Griffhaltung mit ein. In Korridoren, Türen oder engen Innenräumen können Stiche praktischer sein als große Schnitte. Dabei kommt auch die Tsuka, Tsuba und die Soete-Klingenführung zum Einsatz.

Auch wenn das Shōtō hierzu die bessere Wahl wäre, gibt es Möglichkeiten das Daitō ebenso zu verwenden.

Miyamoto Musashi schrieb in seinem Buch der Fünf Ringe sinngemäß, dass man die Länge der Waffe an die Umgebung anpassen müsse. Er betonte, dass ein Schwertkämpfer nicht starr an einer einzigen Kampfweise festhalten dürfe und in diesem Fall muss die Langschwertführung angepasst werden.

Viele Traditionen des Tōjutsu besitzen auch solche Anwendungsprinzipien in ihrem Lehrplan, wie die Togakure Ryu Biken Jutsu und die Enshin Itto Ryu Batto Jutsu.

Historische Samurai und Shinobi betrachteten enge Räume als eigene taktische Herausforderung.  Deshalb entstanden spezielle Techniken für den Einsatz beider Klingen, des Daisho.