Bujinkan Furyu Dojo e.V. - Schule für traditionelle japanische Kampfkünste

Seminarbericht von Max Raskin

von Jürgen 23. März 2026
Das Seminar mit Daishihan Jürgen Bieber zum Thema „Rhytmus und Initiative ergreifen“
Am 22.03.2026 durften wir zum 5. Mal Jürgen Bieber bei uns im Dojo begrüßen. Dieses Mal war es ein ganz besonderes Seminar, denn Jürgen widmete sich dem Thema „Hyōshi o seishite, sen no toru“ oder zu Deutsch: „Indem man den Rhythmus kontrolliert, erlangt man die Initiative“. Klingt erstmal sehr abstrakt und theoretisch… Wenn man jedoch Jürgen in Aktion erlebt, und seinen sehr systematischen Erklärungen lauscht, eröffnen sich Einem völlig neue Einblicke in die Möglichkeiten des Budo. Es ist schon verdammt schwierig, Konzepte wie Timing und Rhytmus überhaupt zu verstehen. Sie dann auch noch systematisch und reproduzierbar in ein Bewegungsmuster zu übertragen, ist dann wohl die höhste Kunst, die nur Einzelnen vorbehalten bleibt. Es ist für einen Kampfkünstler wohl genauso schwierig „Rhytmus“ zu erklären, wie für einen Musiker einen 3/4 Takt mit Worten zu beschreiben. Erstaunlicher-weise ist es tatsächlich mit sehr sehr viel Übung möglich, den Rhytmus des Gegners zu erspüren und damit seine Bewegung zu erraten und vorherzusagen. Noch erstaunlicher ist es, dass man diese Fähigkeit benutzen kann, um den eigenen Rhytmus jemandem aufzuzwingen und ihn damit wie von Zauberhand zu lenken und in eine Richtung zu steuern. Das Spüren des Rhytmus ist eine fast mystische Fähigkeit, vielleicht zu vergleichen mit sehr aufeinander abgestimmten Team-sportlern, Piloten oder Fabrikarbeitern, die einen komplizierten Prozess gemeinsam durchführen. Ein Gefühl die Bewegung des anderen zu kennen, bevor er sie anfängt, zu fühlen wann sie anfängt und mit ihr mitzugehen, ohne nachzudenken. Vielleicht sind wir durch irgendeine Art Bio-Feld, wie Sender und Empfänger miteinander verbunden? Ich weiß es nicht, aber ich weiß wie es sich anfühlt, wenn es funktioniert. Und die nächste Stufe ist es, diese Bewegung in der Mitte zu unterbrechen und mit der eigenen Körperbewegung umzulenken, und zwar genau in dem Moment, wenn der andere nicht mehr anhalten kann. Hört sich an wie Quatsch? Ich glaube dass unsere Augen und Gehirne in der Lage sind viel mehr Details der Umgebung wahrzunehmen, als allgemein anerkannt wird. Vielleicht kennst du das Gefühl von hinten beobachtet zu werden, und wenn man sich umdreht, ist da tatsächlich ein fokussierter Blick von einer Person am anderen Ende des Raums. Dieses Gefühl wird als Skopaesthesie bezeichnet. Oder der Cocktailparty-Effekt, bei dem man sich in einer sehr lauten Umgebung genau auf eine einzelene Stimme fokussieren vermag. Jedenfalls ist es garnicht so wichtig „zu verstehen“. Wichtig ist es im Budo, die Fähigkeit den anderen zu lesen und zu lenken zu üben, zu verbessern und im richtigen Moment auch einzusetzen. Dieses Seminar hat allen vor Augen geführt, dass man diese Fähigkeit kontrolliert üben kann, denn Jürgen beherrscht sie auf einem extrem hohen Niveau. Es war wieder mal Blick hinter die Kulissen der reinen Katas, der Äußerlichkeiten – auf die wahre Essenz des Budo und die Fähigkeiten, die in uns allen verborgen schlummern.
Vielen Dank Jürgen