Bujinkan Furyu Dojo e.V. - Schule für traditionelle japanische Kampfkünste

Ishi Dōrō 石灯籠

von Jürgen 4. Januar 2026
Die Steinlaterne hat im Winter in Japan eine besonders poetische und symbolische
Bedeutung, die über die reine Dekoration hinausgeht. Sie ist ein Symbol von Stille und Vergänglichkeit. Es ist die Zeit der Ruhe, des Rückzugs und der Akzeptanz des Wandels.
Die unbewegliche Laterne im wechselnden Schnee erinnert daran, dass alles Vorübergehende Teil des Lebens ist.
Im Winter sind die Tage kurz. Eine Ishi Dōrō gibt Licht in der Dunkelheit, Hoffnung und Orientierung in dunklen Zeiten. Auch wenn sie nicht leuchtet, steht sie potenziell für Licht.
Der Schnee auf verwittertem Stein verkörpert schlichte Schönheit, Natürlichkeit und die Würde des Alterns. Yukimi Dōrō (Schneebetrachtungs-Laternen) sind dafür entworfen worden, durch ihr großes Dach den Schnee zu sammeln.
Eine Ishi Dōrō im Winter steht für stilles Licht, Vergänglichkeit und innere Sammlung.

Enshin Ittō Ryū Battō Jutsu – Yoko Ichimonji Nuki Uchi 横一文字抜き打ち

von Jürgen 2. Januar 2026

Enshin Ittō Ryū Battō Jutsu

Das Schwert ist vom ersten Millimeter an wirksam

Yoko Ichimonji Nuki Uchi 横一文字抜き打ち,der wichtiger Bestandteil der Kihon.

Yoko 横 = Horizontal, seitlich

Ichimonji 一文字 = Eine Linie und eine klare, ununterbrochene Schneidlinie

Nuki Uchi 抜き打ち = Das ziehen des Schwertes und der Schnitt erfolgen gleichzeitig, ohne Vorbereitung.

Daraus entsteht ein horizontaler Ein-Linien-Schnitt, der unmittelbar beim Ziehen des Schwertes ausgeführt wird.

Wann entstand diese Art von Schnitt in der Anwendung?Wenn man versuchen möchte diese klassische Form des Ziehens irgendwo einzuordnen, so kann man bereits ein horizontales Ziehen zu Beginn der Muromachi jidai (ca. 1336–1573) finden. Doch die Zeit des Tachi war dafür noch nicht prädestiniert. Die Trageweis mit der Schneide nach unten, an Bändern hängend und relativ freischwingend beeinträchtigte unter anderem dieses Arbeitsprinzip. Durch die Trageweise des Tachi gab es keinen fixen Bezugspunkt wie der Obi, keine kontrollierte Saya Biki Achse und keine direkte stabile horizontale Linie beim Ziehen, was als Voraussetzung gilt.Somit lässt sich das Yoko Ichimonji Nuki Uchi, wie wir es heute kennen, eher der späten späte Muromachi jidai und frühen Edo jidai zuordnen (ca. 16.–17. Jahrhundert). In diesen Zeiten wo sich die Kampfsituation vom Schlachtfeld mehr in den zivilen Bereich wandelte. Sprich von weniger Massenschlachten hin zu mehr bewaffneten Einzelkonflikten, wie zu Kämpfen in Straßen, Innenräumen und engen Umgebungen.

Das Tragen des Katana im Obi wird Standard und das Ziehen, gepaart mit Schneiden in einem Moment wird kampfentscheidend.

Die technische Evolution von früheren Schnitten begann aus großen Bewegungen, vertikal und aus erhobenen Positionen. Spätere Schnitte wandelten sich im Battō zu kurzen, direkten, überraschenden und linienbetonten Bewegungen und horizontale Ichimonji Schnitte wurden Teil dieser Verdichtung der Techniken.

Was spricht für horizontale Schnittführung?Der rechte Führungsarm war schneller auszuschalten und gleichzeitig konnte der Raum in dieser Zug-Schnitt-Bewegung geschlossen werden.Die Distanzrealität, wo der Gegner sehr nahe war, teilweise auch seitlich positioniert stand und seinen Angriff bereits begonnen hatte, war häufig. Der Schnitt / ein Schlag musste wirksam sein, es war nicht unbedingt ein Duell mit Ansage und oft war der erste Angriff / Schnitt der entscheidende. Somit ist Yoko Ichimonji Nuki Uchi historisch dafür gedacht, im Moment des Ziehens zu wirken.In der Enshin Ittō Ryū ist Nuki Uchi kein Notbehelf, sondern ein vollwertiger, entscheidender Angriff. Es gibt kein Ausholen, kein sichtbares Vorbereiten und es ist maximale Effizienz mit sofortigem Kampfentscheid, denn der Schnitt entsteht während das Schwert die Saya verlässt.Betrachtet man nun das Schnittprinzip dahinter, so gibt es eine exakte Hasuji (Schnittwinkel) Kontrolle und eine durchgehende Schneidlinie. Keine hackenden Bewegungen und eine ruhige, klare Körperstruktur, mit typischem Ziele zum Hals, Torso, Arme und Flanke.Beachtet man die Körpermechanik, so sieht man eine Hanmi (Halb-Körper-Stellung) ähnlicher Körperausrichtung, Koshi Hineri (Hüftrotation) statt Armkraft, stabile Kamae, kontrolliertes Saya Biki, das zusammenspielt. Das Schwert schneidet vom ersten Millimeter an, weil es von den Beinen getragen wird. Die Gedanken (Mushin), die Bewegung und der Schnitt sind eins, alles ist eins im Ichi Byōshi (Ein einziger Takt / ein Schlag).Die Vorteile des Yoko Ichimonji Nuki Uchi liegen in einer guten Anpassungsmöglichkeit an die reale Distanz, Überraschungsmoment und einsetzbar auf kurze Distanz und auf engem Raum. Dadurch generiert sich ein Schnitt, der den Kampf beendet, bevor er sichtbar begonnen hat. Der Gegner kann schon im Ansatz seines Angriffs gestoppt werden.Es ist ein minimaler Weg, mit maximaler Wirkung. Mit kurzer effektiver Schnittbahn, keine Hebelverluste und keiner Öffnung der eigenen Mitte, verlässt das Schwert die Saya direkt auf Zielhöhe.

In vielen Ryū Ha wird dieser Schnitt als Wahrheitsschnitt betrachtet, denn wenn die Ausführung nicht stimmig ist, stirbt der Schnitt sofort. Darum wird er auch in der Enshin Ittō Ryū Battō Jutsu als essenziell angesehen.

Man sagt: „Wenn dieser Schnitt lebt, lebt alles andere. Wenn er tot ist, ist alles andere nur Form.“

Kann man mit Yoko Ichimonji Nuki Uchi durch Kleidung schneiden?Historisch eindeutig ja, wenn bestimmte Bedingungen erfüllt sind. Hierzu muss man auch die Kleidung betrachten. Was gesondert betrachten werden sollte, sind mehrere Lagen moderner Stoffe, dicke Wintermäntel und gepolsterte Schutzkleidung. Die Kleidung der damaligen Zeit war natürlich auch an die Jahreszeiten angepasst und bestand aus:

Seide (絹, kinu), für Adel und Samurai

Hanf (麻, asa), sehr verbreitet im Alltag

Ramie (苧麻, chōma), hochwertiger als gewöhnlicher Hanf bei formeller Kleidung

Baumwolle (木綿, momen), war noch selten und teuer

Diese Materialien sind schnittanfällig, aber nur bei korrekter Hasuji, ausreichender Klingenschärfe und echter Schneidbewegung (kein Drücken). Dann konnte ein horizontaler Schnitt in einer ziehenden Schneidlinie, Spannung der Kleidung quer zur Faser und sofortige Trennung statt Eindringen, die Kleidung schneiden. Es ein sauberer geführter horizontaler Schnitt öffnet auch Textil und die darunterliegende Struktur gleichzeitig.Wichtig, der Schnitt ist nicht gedacht, um durch alles durchdringen zu können, wie Rüstungen und schwere Polster. Doch ebenso wichtig ist die Wirkung auf den gegnerischen Körper in der Ausführung, auch wenn gegebenenfalls der Schnitt nicht durchdringend ist. Die Balance und Aktion des Angreifers wird abrupt gestört und der darauf, in einem Wimpernschlag, folgende zweite Angriff beendet die Situation. So bleibt auch ohne durchdringende Schnittwirkung der erste Treffer der wichtigste.

Jürgen Bieber 風流

Enbukan Jōi shihan

Yōshin-ryū Jūjutsu Makimono

von Jürgen 30. Dezember 2025

Yōshin-ryū Jūjutsu Makimono

von Jürgen
Yōshin Ryū 楊心流 oder 養心流, Schreibweise je nach Linie ist eine der ältesten klassischen Jūjutsu Schulen Japans (Koryū Bujutsu), entstanden im 17. Jahrhundert. Verschiedene Linien existieren heute noch, besonders die Takagi Yōshin Ryū und die Hontai Yōshin Ryū.
Die Kernideen der Schulen sind flexible, weich fließende Bewegungen und die Kontrolle des gegnerischen Gleichgewichts. Es geht um die Methode wie speziell die Kraft und Energie eingesetzt wird. Integration von unbewaffneten Techniken und Waffenprinzipien, sind dort ebenso zu finden.
In den Koryū stellen die Maki (Schriftrollen) traditionell die schriftlichen Lehrüberlieferungen der Tradition dar. Sie sind oft geheim, kryptisch und enthalten Prinzipien, Techniklisten, innere Konzepte (Kuden) und ethisch-spirituelle Richtlinien.
Die Honden, Inyō no Maki und Seikan no Maki sind typische Titel solcher Rollen.
Honden 本伝 ist die Hauptüberlieferung und bedeutet Hauptlehre und zentrale Tradition. Sie enthält die grundlegenden Techniken, Prinzipien und Trainingsmethoden
und bildet das Fundament des Systems. In der Yōshin Ryū umfasst Honden typischerweise grundlegende Jūjutsu Waza, mit den Prinzipien von Distanz, Timing und Körpermechanik. Es sind die Basis Kata, aus denen spätere Stufen aufbauen und beinhalten die wichtigsten Prinzipien. Somit ist Inhaltlich das Honden das Herzstück der Schule.
Inyō no Maki 陰陽之巻 ist die Rolle des Yin und Yang. Sie bezieht sich auf die dualistische Prinzip In/Yō 陰陽, ähnlich Yin/Yang und beschreibt das Zusammenspiel gegensätzlicher Kräfte. In der Kampfkultur Japans wird dies meist als Weichheit vs. Härte, Expansion vs. Kontraktion, Vorwärts- vs. Rückwärtsenergie und Initiative geben vs. Aufnehmen.
In der praktischen Jūjutsu Anwendung bedeutet dies oft das Umschalten zwischen Ziehen und Drücken, die Kontrolle des Moments, die Anpassung an den Gegner (Nagare)
und die Nutzung der gegnerischen Struktur statt eigener Kraft.
Der Inhalt diese Rolle vertieft die inneren Prinzipien hinter den Bewegungen.
Seikan no Maki 精観之巻 / 正観之巻 ist die Rolle des reinen und richtigen Blicks.
Seikan kann dabei eine Betrachtung, ein korrektes Sehen / Wahrnehmen oder geistige Aufrichtigkeit bedeuten. Es verbindet physische Technik mit mentaler Disziplin und Haltung.
In der Anwendung des Jūjutsu geht es hier um geistige Haltung im Kampf, um Kontrolle der Emotionen, die richtige Wahrnehmung des Gegners, seiner Absicht, seiner Struktur
und tiefere Ebenen der Taktik.
Diese Rolle enthält die fortgeschrittenen oder geheime Prinzipien der Tradition im Okuden und betont den geistig-strategischen Aspekt in der inneren Kultivierung.
Gemeinsam bilden diese Schriftrollen einen klassischen Lehrweg des Jūjutsu in der Edo Jidai.
1. Honden, als technische und konzeptionelle Grundlagen.
2. Inyō no Maki, mit dem Verständnis der zugrunde liegenden Kräfte und Dynamiken
3. Seikan no Maki, als die geistige und wahrnehmungsbezogene Meisterschaft
In der Didaktik ist dies auch als Shu Ha Ri bekannt
(Befolgen – Durchdringen – Übersteigen)
Diese drei Maki repräsentieren eine typische Koryū Struktur, in der Technik, Prinzip und Geist aufeinander aufbauen.
Honden Maki ist knapp 350cm lang, die anderen beiden knapp 180cm jeweils. Ausgestellt 1837, Ende der Edo Jidai Ausgegeben von einem gewissen Oshima und einem gewissen Nakayama.
Der Yōshin Ryū Zweig der Akiyama und Miura Überlieferung, gehört zum klassischen Ursprungskern. Im historischen Rahmen, entstand sie im frühen Edo Jidai (17. Jh.).
In der Friedenszeit unter den Tokugawa. Die Kampfkunst verlagert sich von Schlachtfeld-Techniken zu Zivil- und Selbstverteidigung, mit dem Fokus auf unbewaffnete Kontrolle, Festnahme, Selbstschutz.
Yōshin-ryū gilt als Grundlage zahlreicher späterer Jūjutsu-Schulen.
Akiyama Shirōbei Yoshitoki 秋山 四郎兵衛 義時
Die zentrale Gründerfigur war ein Samurai und Kampfkünstler, mit Kenntnissen im Hakuda (Chinesischen Faust- und Heilmethoden) und in Medizin, Anatomie, Reanimation (Kappō).
Der berühmten Legende zufolge beobachtete Akiyama im Winter ein Weidenzweig (yō 柳) der sich unter Schneelast beugte. Er erkannte das starke Äste brechen, die flexible Weide aber überlebt. Daraus entsteht das Kernprinzip: Das Weiche überwindet das Harte 柔能く剛を制す.
Nach Akiyama verbreitete sich die Yōshin Ryū auch in mehrere Linien, so auch in die
Miura-Linie, durch Miura Familie. Sie gilt als besonders klassisch und innerlich ausgerichtet. Ihr Fokus liegt stark auf Prinzipien statt nur auf äußerer Technik, dem Inyō-Denken und der Wahrnehmung, Timing, Kuzushi.
In manchen Linien heißt es explizit, die Akiyama war der Ursprung und die Miura war die Systematisierung und Vertiefung.
Die technischen und geistige Merkmale der Akiyama und Miura Yōshin Ryū liegen bei:
1 Atemi (gezielte Schläge auf Schwachpunkte)
2 Kansetsu Waza (Hebel)
3 Nage Waza (Würfe)
4 Ne Waza (Kontrolle, Fixierung)
5 Kappō (Belebungs-/Heiltechniken)
In den Prinzipien des Inyō 陰陽 (Wechsel von weich/hart), Maai (Distanzgefüge), Kuzushi (Zerstörung der Struktur) und Seikan (Wahrnehmung der Intention).
In der Koryū Welt hat die Yōshin Ryū eine besondere Bedeutung inne. Denn sie gilt als Brücke zwischen alten Kriegerkünsten und moderner Budō Ethik.

Chikara no Kyōjaku 力の強弱 – Furyu Dojo Jahresthema 2026

von Jürgen 20. Dezember 2025

Bōnenkai 忘年会

von Jürgen 14. Dezember 2025

Der Abschluss des Dojo Jahres. Mit einem gemeinsamen Essen und Austausch (19.12.2025) endet das alte Trainingsjahr.

Man lässt los und ein weiterer Kreis schließt sich, so dass im neuen Jahr ein neuer Zyklus beginnen kann.

Lernen, Üben und Reifen bestimmen dann auch in 2026 unser Leben im Dojo.

Somit endet das Jahr, aber nicht der Weg.

Unser Dojo macht eine kleine Winterpause, vom 22.12.2025 bis zum 06.01.2026

Am 08.01.2026 ist das erste Training im neuen Jahr, das Hatsugeiko 初稽古.

Liste der Samurai – Schulen in der Edo jidai der Han-Schulen des ganzen Landes 1603–1868

von Jürgen 4. November 2025

Liste der Samurai – Schulen in der Edo jidai der Han-Schulen des ganzen Landes 1603–1868

von Jürgen

Diese Karte ist ein historisches Schaubild. Sie zeigt alle alten Fürstentümer Japans während der Edo-Zeit.Diese 藩校 (Hankō) waren Schulen der japanischen Fürstentümer (藩, han) in der Edo jidai (Liste der Samurai – Schulen in der Edo jidai der Han-Schulen des ganzen Landes全国の藩校一覧).

Diese Schulen wurden von den regionalen Daimyō (Fürsten) gegründet, um die Kinder des Samurai-Stands in Bildung, Verwaltung, Kriegskunst und Moral zu unterrichten.

Die Karte zeigt Japan während der Edo-Zeit, unterteilt in die damaligen Han (Feudalgebiete), mit einer Liste der jeweiligen Han-Schulen.

In der Mitte, eine Karte Japans mit den Namen der Han (z. B. 会津藩 (Aizu Han), 薩摩藩 (Satsuma Han), 長州藩 (Chōshū Han) usw.)

Rundherum: Listen mit den Namen der Schulen (藩校) jedes Han.

Beispiele:

会津藩(Aizu-Han) → 日新館(Nisshinkan)

薩摩藩(Satsuma-Han) → 造士館(Zōshikan)

水戸藩(Mito-Han) → 弘道館(Kōdōkan)

熊本藩(Kumamoto-Han) → 時習館(Jishūkan)

岡山藩(Okayama-Han) → 花畠教場(Hanabatake Kyōjō)

usw.

Aizu-Han-Schule Nisshinkan

会津藩校日新館

Gesamtverzeichnis der Hankō (Han-Schulen), erstellt vom Nisshinkan, der Aizu-Han-Schule.

会津藩校日新館 藩校総覧

Kukishin Ryū Jutte Jutsu 九鬼神流 十手術

von Jürgen

Kukishin Ryū Jutte Jutsu 九鬼神流 十手術

von Jürgen
Innerhalb der Kukishin Ryū war das Hachiwari auch bekannt. Dies war die Muromachi jidai (室町時代, 1336 – 1573), das kriegerische Zeitalter Japans.
Im Vordergrund standen verschiedene Schlachtfeldwaffen, und das Hachiwari war zu dieser Zeit bereits als Nebenwaffe bekannt, vor allem als Werkzeug zum Brechen oder Anheben von Helm- Rüstungsplatten, oder zum Blocken und Hebeln, falls man im Gedränge sein Schwert nicht ziehen konnte. In einer Sōgō Bujutsu 総合武術, umfassende Kriegsschule, wie die Kukishi Ryū, gab es Hauptwaffen (主武器 Shu Buki) und Nebenwaffen (付属武器 Fuzoku Buki).
Das Hachiwari wurde auch Kabutowari 兜割 genannt. Ein Helmspalter, mit dem Zweck den Schutz oder die Verteidigung des Gegners durchdringen. Dieser Name ist ein Sinnbild den geistigen Helm des Gegners zu spalten, sprich seine Fixierung, seine Strategie, seine Deckung. In der Heihō Strategie wurde damit das Kokoro no Tate, das Herzensschild des Gegners durchbrochen.
In dieser Epoche war das Hachiwari also durchaus vorhanden, aber noch nicht als eigene Disziplin innerhalb der Kukishin Ryū formalisiert, eher als unterstützendes Kriegsgerät im Umfeld des Tōjutsu 刀術.
In der Edo jidai (1603 – 1868), der relativen Friedenszeit des Tokugawa Shōgunats, wurde in der Kukishin Ryū auch die Jutte 十手 integriert, welche ein Teil des Zeitenwandels in Japan mit sich brachte. Die Jutte wurde zu einem Symbol der Edo jiadi Polizei und gleichzeitig ein Werkzeug der Kontrolle, nicht der Tötung. Man sagt die Wurzeln dieser Waffen in der Ryū, kamen aus der Führung des Hachiwari- und Hanbō jutsu.
In der Meiji jidai, ab 1868, als die moderne Zeit begann, verschwand das Jutte jutsu in vielen Traditionen zugunsten modernerer Waffen, es wurde oft als historische Technik betrachtet und blieb nur in wenigen Ryū ha überliefert.
In der Kukishin Ryū wird es weiterhin als Teil der umfassenden Buki Waza 武器技 gelehrt, die auf frühere Militärtraditionen (Heihō) zurückgehen. Die Jutte Techniken zielen auf Abwehr, Kontrolle, Festsetzung und strategische Führung ab. Sie sind also nicht primär auf Zerstörung, sondern auf Dominanz durch Timing, Raum und Geist gerichtet.
Durch den militärischen Ursprung / Hintergrund der Ryū wurde im Torimono no Jutsu der Sicherheitskräfte etwas härter gedacht als in den Polizeitraditionen die sich in der Edo jidai entwickelten.
Die Kukishin Ryū Jutte Jutsu des Bujinkan beinhaltet 5 Kamae und 5 Kata:
1 Musō no kamae 無想之構
2 Mizu Tori 水鳥
3 Ichi no kamae 一之構
4 Seigan no kamae 青眼之構
5 Ten no kamae 天之構
Juppō Sesshō no Jutsu 十方折衝之術
1 Kiri no Hito Ha 桐之一葉
2 Rakka 落花
3 Gorin Kudaki 五輪砕
4 Mizu Tori 水鳥
5 Mawashi Dori 廻捕
Juppō Sesshō no Jutsu 十方折衝之術 beschreibt die Fähigkeit, aus jeder Richtung und in jeder Dimension zu reagieren. Das Verständnis der zentralen Achse und der universellen Balance im Tai Sabaki, Maai und der Kokoro no Kamae. Somit stecken in diesen 5 Kata eine Vielzahl an Optionsmöglichkeiten in der Anwendung. Oberflächlich sieht man nur 5 einfache Bewegungen, aber in der Tiefe, im Ura Waza ist alles verborgen was nötig ist.
Betrachtet man Techniken auf Video, so denkt man es zu sehen, doch ist es nur die Oberfläche die man sieht.
Kiri no Hito Ha 桐之一葉 Ein Blatt des Paulownien Baumes
Kiri桐) = Der Paulownien Baum, ein Symbol des Adels und der göttlichen Legitimität und wird besonders mit dem Kaiserhaus und Toyotomi Hideyoshi assoziiert.
Ichiyō / Hito Ha 一葉 / 一つの葉 = Ein einzelnes Blatt.
„Es beschreibt, ein einzelnes Blatt das fällt, kündigt den Herbst an. Sprich, eine kleine Bewegung verrät das Ganze.“
Eine minimale Bewegung oder Öffnung, ein kleiner Positionswechsel oder ein scheinbar schwaches Moment, enthüllt oder provoziert die gesamte Reaktion des Gegners.
Mit subtilen, präzisen Aktionen, wird der Kampf entschieden.